Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 65 Ich embrassiere Dich und bin unverändert Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray, Obrist. Vorpost Vladin in der Walachei, 20. Oktober 1789. Liebster Bruder! ’) Statt in die Winterquartiere zu rücken, hat uns unser sehr würdige kommandierende General Fürst Hohenlohe aus dem Vulkaner Paß vorwärts gegen Porceni angeführt, wo wir den 7. eiusdem das dasige aus 3000 Mann bestandene feindliche Korps angriffen, in die Flucht schlugen und ihr ganzes Lager und Bagage erbeuteten. Mir vertraute der Fürst mit 10 Zügen Kavallerie, 100 Volontärs, 4 Divisionen Infanterie, 2 Dreipfündern und Scharfschützen die Avantgarde und Attacke an, außer welchen auch diesen Tag von der übrigen Infanterie außer meinem Regiment nichts ins Feuer kam. 60 Schritte hinter der Avantgarde folgte die Haupttruppe von 6 Divisionen Infanterie und 20 Zügen Kavallerie und endlich in der nämlichen Entfernung 2 Divisionen Infanterie und 12 Züge Kavallerie. Der Feind verlor über 200 Mann. Das auf IV2 Stunden weiter bei Vajdeni gestandene feindliche Korps aus 7000 Mann kam zwar gegen Abend diesen Porcenern zum Sukkurs. Ich besetzte aber mit meinem Regiment so vorteilhaft die Anhöhen, daß sie nach einem zweistündigen Feuer mit Verlust zurückgewiesen wurden. Folgenden Tags gegen Mittag kam der Feind, mit ganzer Force uns angreifen. Ich stand mit meinem Regiment allein im ersten Treffen und hatte nur 2 Eskadrons zur Feldwacht vor meiner; die ganze übrige aus noch 3 Divisions Kavallerie und 3 Bataillons Splényi-Regiment bestandene Truppe stand hinter meiner, nämlich die Kavallerie im zweiten, die Infanterie im dritten Treffen. Der Feind attackierte mein Regiment von allen Seiten mit Wut und Ungestüm, allein mein ') Dieser Brief bietet eine willkommene Ergänzung zu Hohenlohes Bericht aus Hermannstadt vom 15. Oktober 1789. Siehe Kriege unter Josef II., 345. Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VI. Bd. 5