Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

66 Just. Kanonen- und Infanteriefeuer hielt ihn zurück, bis endlich mein rechter Flügel die feindliche Infanterie mit dem Bajonett angriff und verjagte. Der kommandierende General attackierte den Feind im centro mit Kavallerie und gab mir auch diesen Tag zu meiner Infanterie 2 Züge Husaren und 2 Züge Dragoner, um während dessen Attacke dem Feind in die Flanke und Rücken zu fallen, welches ich auch mit solcher Lebhaftigkeit durch Unterstützung meiner Scharfschützen, so zwischen der Ka­vallerie mit hervorprellten, befolgte, daß ich den Feind gleich warf und jenem, so der Fürst repoussierte, in die Flanke und Rücken kam und dadurch 4 Kanons abnahm. Dieser glückliche Erfolg brachte den ganzen Feind in Unordnung und Flucht. Der Fürst, so als ein wahrer Held überall anwesend war, auch eine starke Kontusion bekam, ließ den Feind Schritt vor Schritt verfolgen, welcher sich auf einer halben Stunde Entfernung wieder formierte und den Rückzug seiner Infanterie décken wollte. Ich befand mich eben an der Spitze der ganzen in der Attacke begriffenen unsrigen Reiterei, als der Feind Miene machte, uns anzugreifen. Ich kam ihm zuvor, ließ seine Kavallerie auf zwei Seiten durch 2 Eskadrons Husaren und ebensoviel Unterstützung von Dragonern furiose angreifen und detachierte zugleich meine Husarentruppe gegen die eben aus einem Walde her­ausgebrochene Infanterie, welche auch gleich zerstreut und ebenso wie die feindliche Kavallerie über den Haufen ge­worfen worden ist. Dadurch ist die Flucht der Feinde allge­mein worden, wovon wir so gut profitierten, daß wir mit­samt dem Feind über seine Brücken und in sein Lager bei Yladin kamen, wo sich der Feind gar nicht aufhielt, folglich uns das ganze Lager mit vieler Beute preisließ. Du kannst Dir das Vergnügen unseres kommandierenden Fürsten vorstellen, welcher große Schwierigkeiten bei Vajdeui im Schloß zu finden glaubte und ohne allen Verlust bloß durch unseren Vortrab diese Eroberung erzielte. Seine Zu­friedenheit war außerordentlich und ebenso sein Vertrauen, das er mir in vollem Maße zeigte. Bloß aus dieser Rücksicht ließ er mich hier im feindlichen Lager mit meinem Regiment und 1 Division Husaren nebst Volontärs zur Beobachtung des

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