Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
<34 Just. kunft so glücklich ablaufe. Auf Unternehmungen darf ich heuer hier nicht rechnen, denn unser hiesiger Chef hat keine Lust dazu und willigt gar nicht íd meine Vorschläge. Ich bin sehr desoliert, daß ich mich nicht distinguieren und emporbringen kann. Das Schicksal will es also haben. Ich fange an, alt und gebrechlich zu werden. Gott erhalte nur meine Kinder und führe sie glücklich durch alle Gefahren. Der Tonerl ist Adjutant beim General Orosz in Kronstadt und hat Gelegenheit, etwas zu lernen. Man hat heuer noch Hoffnung, Belgrad zu belagern. Geschieht dieses, so dürfte ich noch eine Hauptrolle zu spielen bekommen. Ich embrassiere Dich und bin wie allezeit Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray, Obrist. Vorpost am Vulkan, 20. September 1789. Liebster Bruder! Von meinem Diebstahl hat sich noch gar nichts offenbart. Nun muß ich von anderen Rubriken ersparen und diesen Notpfennig einzubringen trachten. Die beiden Söhne kosten mich bei jedem Avancement oder feindlichem Vorfall, weilen ihnen alle Augenblick was fehlet. Ich gebe es gern; nach unserem Tod zanken ohnehin die Erben untereinander, -wenn etwas übrig bleibt. Einige gute Freunde aus Wien haben mir angeraten gehabt, um den Theresien-Orden einzukommen, welches ich dann auch durch unseren würdigen kommandierenden General Fürst Hohenlohe befolgte. Vielleicht gelingt es. Ich kommandiere hier noch fort die Vorpost des General Staaderschen Korps, welche diesen Sommer schon das sechstemal von feindlicher Übermacht angefallen worden, aber immer glücklich davongekommen ist. Vorige Woche war meine äußerste Offiziersvorpost zweimal, besonders das letzte- mal durch 1500 Mann angegriffen, zog sich aber mit Verlust von bloß 1 Toten und 1 blessiert Gefangenen zurück an mich, wogegen der Feind mit großem Verlust zurüekgehen mußte. Wir sind hier bei 6000 Mann und der bei Tirguschyl gegen uns stehende Feind bis 8000 Mann stark. Schwerlich werden wir hier heuer zu einer seriösen Affäre kommen. I