Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848

Cernierung und Erstürmung Wiens 1848. 353 dorfer und Gumpendorfer Linie standen, durfte der Feldmar­schall hoffen, am nächsten Tage über 23 Bataillone zu verfügen, welche Truppenmacht, im Verein mit der zahlreichen, größten­teils verfügbaren Kavallerie und Artillerie, als für den be­vorstehenden Kampf ausreichend betrachtet werden konnte. Nachdem die Befehle ausgefertigt und auch verfügt worden war, daß eine aus dem Neugebäude auf den Laaerberg herbeigeschaffte Mörserbatterie gegen die Vorstädte Wiede^ Matzleinsdorf, Gumpendorf und Mariahilf in Tätigkeit gesetzt werde, wandte der Feldmarschall seine Aufmerksamkeit zu­nächst auf die energische Durchführung des unter seinen Augen begonnenen Angriffes auf die beiden Bahnhöfe der Gloggnitzer und Brücker Eisenbahn *). Nach dem Kückzug Auerspergs aus der Stadt waren die weitläufigen und mächtigen Gebäude dieser Bahnhöfe von den kaiserlichen Truppen leider nicht besetzt worden; Studenten und Proletarier hatten sich jetzt derselben bemächtigt und beabsichtigten, dort verzweifelten Widerstand zu leisten. Die Arbeiter wurden gezwungen, zu den Waffen zu greifen, ausgediente Artilleristen zur Bedienung der Kanonen verwendet, den Beamten der Säbel auf die Brust gesetzt, da­mit sie Vorräte an Teer und Pech auslieferten, um im äußersten Notfall die Gebäude mittels Pechkränzen in Brand stecken zu können2). Zum Angriff auf die genannten Objekte wurde die Bri­gade Sanchez bestimmt, welche sich am 28. früh in einer Aufstellung auf dem Wienerberg á cheval der Laxenburger Chaussee befand und der nach der allgemeinen Angriffsdis­position die Aufgabe zufiel, gegen die Favoriten Linie Schein­angriffe zu unternehmen3). *) K. A., Handschriftliche Elaborate, 53. ») Helfert, 1/245. 3) Diese Brigade bestand am 23. aus folgenden Truppen: 1. Landwehrbataillon Erzherzog Stephan Nr. 58; 1. Landwehrbataillon Graf Khevenhüller Nr. 35; 2. Feldbataillon Erzherzog Wilhelm Nr. 12; Sechspfündige Fußbatterie Nr. 2. Im Verlauf des Kampfes erhielt dieselbe noch eine zwölfpfündige Batterie zugewiesen. (K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, XI, ad 83.) Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VI. B p. 23

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