Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
354 C z e i k e. Um 11 Uhr vormittags ließ GM. Sanchez den von Insurgenten besetzten Matzleinsdorfer Friedhof und die nördlich desselben gelegenen Häusergruppen der Lokomotivremise und Wasserstation von seiner sechspfündigen Batterie unter Feuer nehmen. Nachdem sich infolge dieser Beschießung der größte Teil der Aufständischen aus diesen Objekten hinter den Eisenbahndamm zurückgezogen hatte, erstürmte die 1. Division des am linken Flügel der Brigade befindlichen Landwehrbataillons Khevenhüller unter Major Müller1) den Friedhof, mußte denselben jedoch wegen des heftigen Feuers aus dem Gloggnitzer Bahnhof und vom Linienwall bald wieder räumen. Die Brigade erhielt hierauf den Befehl den Gloggnitzer Bahnhof auf jeden Fall zu nehmen. GM. Sanchez ließ nun das Feuer einer ihm mittlerweile zugeteilten zwölfpfündigen Batterie gegen den Bahnhof und das seiner Sechspfünder, unterstützt von dem Rücken- feuer der Brigade Jablonowski beim Eisenbahndamm der Matzleinsdorfer Linie, gegen die Wasserstationsgebäude eröffnen und nachdem auf diese Weise der Infanterieangriff entsprechend vorbereitet war, seine Sturmkolonnen zum Bajonettangriff vorrücken. Das Landwehrbataillon Erzherzog Stephan wurde zum Angriff auf den Bahnhof, das von Khevenhüller zum Sturme auf die Nebengebäude geführt, während das 2. Bataillon Erzherzog Wilhelm als Reserve folgte. Gleichzeitig umging eine Division des 3. Bataillons St. Georger mit der Raketenbatterie Nr. 14 der Brigade Neustädter, unter Führung des dem Generalquartiermeisterstab zugeteilten Hauptmanns Roretz2), den Bahnhof, nahm das Heizhaus und eröffnete das Feuer gegen den Gloggnitzer Bahnhof. Trotz dieser Machtentfaltung und der durch das Geschützfeuer verursachten Brände leisteten die Instirgenten in den weitläufigen Gebäuden hartnäckigen Widerstand und erst in der ') Erhielt mit Allerhöchster Entschließung vom 1. Dezember 1848 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens. (Registratur des Reichskriegsministeriums 1848, D 4172, 4173.) *) Erhielt die Allerhöchste Belobung. (K. A , Belohnungsanträge 1848, 2, 4.)