Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
852 C z e i k e. Diese Nachricht war von größter Bedeutung, denn das ungarische Heer konnte am nächsten Tage an der Schwechat, vor Wien, stehen. Dem Feldmarschall stand klar vor Augen, daß das Zurückweisen der zum Entsatz Wiens anrückenden ungarischen Armee nunmehr das Entscheidende, Wichtigste sei. Er faßte daher den Entschluß, in der ihm noch gegönnten kurzen Zeit alle Vorkehrungen zu treffen, um den voraussichtlichen Kampf mit den Ungarn erfolgreich bestehen zu können, gleichzeitig aber den begonnenen Angriff auf Wien energisch fortzusetzen. Von den 29 Bataillonen, welche der Feldmarschall ursprünglich in dem Terrainabschnitt zwischen der Schwechat und der Stadt konzentriert hatte, mußte er, nachdem der Kampf gegen die Aufständischen aufgenommen war, mindestens 15 bis 16 Bataillone als anderweitig nicht mehr verfügbar betrachten, denn selbst bei der Annahme, daß FML. Hartlieb seine Aufgabe noch im Laufe des Tages vollständig lösen werde, war es unbedingt nötig, die gewonnenen Stellungen zu behaupten und die unterworfenen Vorstädte stark zu besetzen. Dieselbe Notwendigkeit ergab sich bei den Truppen, welche sich in den Besitz der Hundsturmer und Matzleins- dorfer Linie gesetzt hatten sowie bei jenen, die eben jetzt zum Angriff auf die Bahnhöfe schritten. Die hienach disponible Truppenmacht belief sich auf höchstens 13 bis 14 Bataillone, was aber offenbar zu wenig war, um der ungarischen Armee mit Aussicht auf Erfolg die Spitze bieten zu können. Unter diesen Umständen sah sich der Feldmarschall gezwungen, den FML. Ramberg sofort zu verständigen, daß er genötigt sein werde, die Brigaden Frank und Gramont in der Nacht auf das diesseitige Ufer des Donaukanals herüberzuziehen. Ramberg sollte trachten, im Laufe des Tages Herr der Leopoldstadt zu werden, oder wenn dies nicht anginge, wenigstens eine Stellung zu gewinnen, die er mit den ihm nach dem Abrücken der erwähnten zwei Brigaden verbleibenden Truppen zu behaupten vermöge. Durch diese Anordnung sowie durch das Heranziehen einiger Bataillone von jenen Brigaden, die zwischen der Nuß-