Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
Cernierung unci Bestürmung Wiens 1843. 351 FML. Csorich ließ daher mit Genehmigung des Feldmarschalls noch drei Kompagnien des Landwehrbataillons Nassau innerhalb des Linienwalles vorrüoken, welche nun die Insurgenten von Haus zu Haus trieben und bis gegen die Florianigasse zurückwarfen, wo sie sich hinter den Barrikaden zu beiden Seiten der Florianikirche festsetzten. Gegen 1 Uhr nachmittags brachte Feuerwerker Weiß- mantel seine Geschütze in die Matzleinsdorfer Hauptstraße und setzte sie gegen die Barrikaden in Tätigkeit. Ein Befehl des Feldmarschalls verbot jedoch jedes weitere Vordringen und FML. Csorich sah sich sogar genötigt, das Landwehrbataillon Nassau, das in der Erbitterung über die am 6. Oktober erlittenen Verluste die Insurgenten von Haus zu Haus verfolgte und die eingenommenen Häuser zerstörte, gegen Vs2 Uhr nachmittags vom Landwehrbataillon Bianchi ablösen zu lassen, welches den gemessenen Befehl erhielt, sich nur auf die Verteidigung des Gewonnenen zu beschränken. FML. Csorich ließ sodann einen Teil seiner Artillerie zwischen dem Linienwall und dem Eisenbahndamm auffahren und von da aus die Bahnhöfe unter Feuer nehmen, um hiedurch den gleichzeitig begonnenen Angriff der Brigade Sanchez gegen dieselben zu unterstützen1). Zu dieser Zeit, gegen die zweite Nachmittagsstunde, erhielt der Feldmarschall von dem die Vorposten kommandierenden General Ottinger die Meldung, daß die ungarische Armee von der Leitha bereits bis Arbesthal und Stixneusiedl vorgerückt sei2). *) *) Die Brigade Jablonowski hatte an diesem Tage einen Verlust von 2 Offizieren und 45 Mann und zwar: 1. Landwehrbataillon Nassau, 5 Mann tot, Hauptmann Ptohaska und 20 Mann verwundet, 7 Mann vermißt; 1. Landwehrbataillon Bianchi, 2 Mann tot, 1 Offizier und 6 Mann verwundet; 1. Landwehrbataillon Kaiser, 3 Mann verwundet; Fußbatterie Nr. 1, 2 Mann verwundet(K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 203a.) 2) K. A., F. A. 1848, Korps Jellacic, X, 226.