Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
350 0 z e i k e. Unter Führung des Generalstabshauptmanns Kálik und des Kompagniekommandanten Hauptmann Prohaska brach diese Kompagnie, trotz des lebhaften Feuers der hinter dem Damm postierten feindlichen Plänkler sowie des vom Glogg- nitzer Bahnhof flankierenden Geschützfeuers, gegen den Damm vor und nahm denselben, bei welcher Gelegenheit ihr tapferer Kommandant, Hauptmann Prohaska, tödlich verwundet fiel1). FeldwebelGuillaume2) stürzte sich hierauf ohneBefehl mit einigen Leuten in den Liniengraben, um den Wall zu ersteigen, während gleichzeitig rücktvärts nachfolgende Abteilungen den Damm besetzten und nun ein heftiges Feuer gegen die Insurgenten am Walle und hinter dem Linien tor eröffn eten. Einige Beherzte erkletterten unterdessen den Linienwall an einer unbesetzten Stelle und halfen ihren Kameraden nach, worauf die Verteidiger der Torbarrikade in Front und Flanke angegriffen und in die nächsten Häuser zurückgeworfen wurden. Die zur Unterstützung nachgerückte 3. Landwehrkompagnie von Nassau drang nun durch die vom Feinde verlassene Torbarrikade ein, erstürmte die nächstgelegenen Häuser innerhalb der Linie und setzte den erbitterten Kampf in der Matzleinsdorfer Hauptstraße von Haus zu Haus fort. Um Val2 Uhr mittags war dieser Teil von Matzleinsdorf genommen und von den kaiserlichen Truppen besetzt. Fast gleichzeitig, gegen 11 Uhr vormittags, hatte auch das 1. Landwehrbataillon Khevenhiiller der Brigade Sanchez einen Angriff gegen den östlich der Matzleinsdorfer Linie gelegenen Friedhof unternommen, mußte denselben aber wegen des heftigen Feuers vom Gloggnitzer Bahnhof und der nächststehenden Gebäude bald wieder räumen. Hiedurch bekam die hinter dem Stationsgebäude zunächst des Friedhofes postierte Insurgentenabteilung Luft und zog sich längs des Bahndammes gegen die Matzleinsdorfer Linie, um ihren bedrängten Kameraden zu Hilfe zu eilen und der Besatzung des Linientores in die rechte Flanke zu fallen. *) *) Er starb zwei Tage darauf im Spital. Erhielt die Allerhöchste Belobung. (K. A., Belohnungsanträge 1818, 2.) 2) Erhielt die silberne Tapferkeitsmedalle 1. Klasse. (K. A., Belohnungsanträge 1818, 2, 1, 9.) - —