Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848

Cernierung und Erstürmung Wiens 1848. 349 mit dem Bahndamm durch das schmale Torpförtchen für Fuß­gänger hergestellt. Ungefähr 150 Schritte südlich des Linien­tores stand hinter einer Brustwehr in einem vorspringenden Winkel des Linienwalles ein Geschütz der Aufständischen, welches die Zugänge zur Dammdurchfahrt sowie zum Linien­tor und die 700 Schritte von letzterem entfernten Häuser am Richtplatz vorteilhaft bestrich. Die Einfahrt unter dem Viadukt­damm war mit Pflastersteinen verrammelt. Eine starke Insur- gentenabteilung hatte den Damm nördlich des Linientores im Rücken des Matzleinsdorfer Friedhofes besetzt und vom Glogg- nitzer Bahnhof, welcher stark befestigt und mit Geschützen versehen war, konnte der Bahnviadukt sowie die Matzleins­dorfer Linie enfilierend bestrichen werden. Den Angriff gegen letztere leitete das Geschützfeuer der sechspfündigen Batterie des Oberleutnants Brüda ein, welche unter Bedeckung von zwei Kompagnien Kaiser-Infanterie auf ungefähr 400 Schritte vor der „Spinnerin am Kreuz” aufge­fahren war. Kurz nach Eröffnung des Feuers disponierte FML. Csorich noch zwei Geschütze der Batterie Vandenesse unter Feuerwerker Weißmantel zu den Häusern am Richt­platz. Nachdem sich aber die Beschießung der Insurgenten aus dieser Stellung als nicht genügend wirksam erwies, führte Weißmantel1) seine beiden Geschütze im Kugelregen der Aufständischen bis auf 400 Schritte vor und eröffnete ein so heftiges Kartätschfeuer, daß es ihm bald gelang, die feind­lichen Geschütze zum Schweigen zu bringen. Unterdessen hatte sich auch die Raketenbatterie des Ober­leutnants Kaufmann2) ins Feuer gesetzt und die Häuser zu­nächst des Linientores sowie das Wächterhaus an der Durch­fahrt der Badnerstraße in Brand geschossen. Die hiedurch bei den Insurgenten eingetretene Verwirrung, von denen sich ein großer Teil vom Eisenbahndamm hinter die Linienwälle zurückzog, benützte FML. Csorich, indem er der als Geschützbedeckung verwendeten 2. Landwehrkompagnie von Nassau den Befehl erteilte, den Damm zu stürmen. *) *) Feuerwerker Rudolf Weißmantel erhielt die goldene Tapfer­keitsmedaille. (K. A., Belohnungsanträge 1848, 9.) 2) Erhielt die Allerhöchste Belobung. (K. A., Belohnungsanträge 1848, 2.)

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