Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
Cernierung und Erstürmung Wiens 1848. 325 Während dieser Kämpfe um den Besitz des Augartens und der Leopoldstadt fanden am 26. gleichzeitig an mehreren Linien Wiens kleinere Gefechte statt, von welchen jenes beim Schmelzer Friedhof eine ernstliche Wendung nahm, als die Brigade Schütte zur engeren Cernierung der Stadt gegen die vor den Linienwällen gelegenen Ortschaften Fünf- und Sechshaus und Braunhirschengrund und die Brigade Chizzola von Ottakring aus gegen die Schmelz vorrückten. Der zwischen der Mariahilfer und Lerchenfelder Linie vor den Linienwällen befindliche Friedhof auf der Schmelz Insurgenten, welche auch über Geschütze verfügten, angegriffen. Nach einem zweistündigen Gefecht, in das Oberst Collery mit IV« Kompagnien des 12. Feldjägerbataillons eingriff, zogen sich die Insurgenten zurück und stellten bei einbrechender Dunkelheit das Feuer gänzlich ein. Im Laufe dieses Tages kam es noch zu wiederholten Plänkeleien und Kanonaden mit den Insurgenten, größere Gefechte fanden aber hier nicht mehr statt. (Oberst Collery erhielt die Allerhöchste Belobung. K. A., Belohnungsanträge 1848, 2.) Die Division Bamberg hatte sich durch Besitznahme der Brigittenau und des Augartens bis zum Tabor in ihrer linken Flanke fast um 4000 Schritte Terrainlänge weiter ausgedehnt, so daß ihre Aufstellung am 27. vom Tabor durch den Augarten, die Brigittenau, Ober-Döbling und Weinhaus bis gegen Ottakring reichte. Dem FML. Bamberg standen hiefür nur 7 Bataillone, 3 sechspfündigeFußbatterien und 1 Eskadron zur Verfügung, mit welchen schwachen Kräften er in zweiter Linie auch noch die Orte Nußdorf, das Kahlen- bergerdörfel, Gersthof und Dornbach besetzt halten mußte. Seine auf Vorposten stehenden Truppen konnten nur selten ahgelöst werden und waren durch die fortgesetzten Kämpfe überdies sehr ermüdet. Bei der großen Ausdehnung der besetzten Linie von fast zwei Wegstunden und der geringen Zahl an Truppen war mithin Bamberg in Gefahr, einen der besetzten wichtigen Punkte zu verlieren, was bei den momentanen Umständen von den nachteiligsten moralischen Folgen gevresen wäre. Die Brigade Wyss nahm am Abend des 27. eine gesicherte Stellung ein, die sich vom Nordbahnhof in einem Bogen über den Tabor bis an den Augarten ausdehnte, wo sie mit den Truppen Bambergs, dem 12. Jägerbataillon, in Verbindung stand. Gegen 4 Uhr nachmittags dieses Tages war auch GM. Frank beim FML. Bamberg am Tabor eingetroffen und hatte die Meldung erstattet, daß sein rechter Flügel sich an die Schwimmschule lehne und sein linker an die Truppen des Obersten Gramont stoße, wodurch auch die Verbindung zwischen der Brigade Wyss und den in den Prater vorgedrungenen Truppen des I. Armeekorps hergestellt worden war. (K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 160, 176, 204 c.)