Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
326 C z e i k e. war von Nationalgarden und Mobilen stark besetzt, welche die anrückenden Truppen der Brigade Chizzola mit einem heftigen Gewehrfeuer aus dem Friedhof und mit Geschützfeuer von r den Linienwällen empfingen. Nach einem beiderseits hitzigen Kampfe wurde der Friedhof von Abteilungen der Infanterieregimenter Khevenhüller Nr. 35 und Erzherzog Stephan Nr. 58 erstürmt, auf Befehl des Feldmarschalls bei Einbruch der Dämmerung aber wieder geräumt, nachdem er vom Linienwall aus, wohin sich die Insurgenten zurückgezogen hatten, stark eingesehen war1). An der Matzleinsdorfer Linie versuchten die Insurgenten einen Ausfall, welcher von den dort postierten Truppen der Brigade Golloredo zurückgewiesen wurde. Die von den Aufständischen, trotz der Unterwerfungs- frist, immer wieder begonnenen Feindseligkeiten, hatten zu den früher geschilderten Gefechten am 24. und 25. Oktober geführt, deren Resultat die Besitznahme der Brigittenau sowie eines Teiles des Augartens durch die Truppen der Division Bamberg war. Obwohl die der Stadt gewährte Unterwerfungsfrist den Feldmarschall in der Ausführung jeder offensiven Unternehmung lähmte, so trat doch jetzt die Notwendigkeit ein, der Division Ramberg und Brigade Wyss eine gesicherte Stellung ihrer linken Flanke zu schaffen und deren Bewegungen gegen die, wie man annahm, gut gesinnte Leopoldstadt durch eine Vorrückung von Truppen in den Prater zu unterstützen2). In Erwägung dieser Umstände erteilte der Feldmarschall dem Banus Jellacic den Befehl, im Laufe des 25. Oktober über den Durchstich des Wienerkanals eine Brücke schlagen >) K. A., Handschriftliche Elaborate, 34; Geschichte der Infanterieregimenter Nr. 35, 180 und Nr. 58, 178. Die Verluste beim 1. Feldbataillon Erzherzog Stephan betrugen an diesem Tage 2 Tote und 10 Verwundete, unter letzteren die Leutnante Köveß und Cziszkiewicz, jene bei Khevenhüller 5 Tote und 18 Verwundete, darunter Oberleutnant Krippel und Unterleutnant Sootor. Leutnant Oziszkiewicz erhielt die Allerhöchste Belobung (K. A., Belohnungsanträge 1848, 2.) 2) K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 128Vi.