Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
310 0 z e i k e. gegen Wien in Marsch gesetzten Truppen, nach deren Eintreffen die Operationen gegen die insurgierte Hauptstadt und die ungarische Armee aufgenommen werden sollten. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten hatte sich diese Nordarmee am 22. Oktober vor Wien versammelt und FM. Alfred Fürst zu Windisch-Graetz, welcher zum Oberkommandanten über sämtliche Truppen der Monarchie, mit Ausnahme jener der italienischen Armee, ernannt worden war, übernahm nun den Oberbefehl über alle vor Wien befindlichen Streitkräfte, verfügte deren Einteilung in 3 Armeekorps und 1 ßeservedivision und erließ am 22. Oktober nachstehende Disposition zur engeren Cernierung Wiens1): Das 1. Armeekorps, die kroatisch-slavonische Armee unter FML. Jellacic, dessen Hauptaufgabe die Sicherung gegen einen Angriff der ungarischen Armee bildet, verbleibt in seiner dermaligen Stellung, kantoniert von Kaiserebersdorf bis Himberg, bewirkt nur mit einigen Bataillonen die Abschließung der St. Marxer Linie durch eine geeignete Aufstellung nächst Simmering und hält das Neugebäude mit den übrigen wichtigen Punkten, nach den vom Korpskommando bereits getroffenen Verfügungen, besetzt. Das 2. Armeekorps, die Truppen der Garnison Wien unter FML. Graf Auersperg, verbleibt in seiner Stellung am Wienerberg, hat Wien von der Südseite im Rayon der Favoriten und Matzleinsdorfer Linie bis Meidling abzusperren und schließt mit dem rechten Flügel seiner Vorposten an jene des 1., mit dem linken nächst Schönbrunn an jene des 3. Armeekorps an. Das 3. Armeekorps, die böhmische Armee, unter dem Befehl des FML. Dúca S erb ellőni2), cerniert die Residenz vom Wienfluß mit Einschluß von Schönbrunn auf der Linie über Breitensee, Ottakring, der Türkenschanze und Nußdorf ') K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 100 und Handschriftliche Elaborate. *) Das Kommando dieses Armeekorps war dem FML. Reuli- Köstritz zugedacht, welcher jedoch Mähren, wegen des unverläß- lichen Geistes dieser Provinz und bei der Wichtigkeit, welche dieselbe durch den Aufenthalt des Kaisers in Olmiitz erhalten hatte, vorläufig nicht verlassen konnte.