Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
Nach den blutigen Ereignissen des 6. Oktober befand sich Wien vollkommen in den Händen der Aufständischen1). Der kommandierende General FML. Graf Auersperg sah sich gezwungen, mit der Garnison die Stadt am Abend dieses Tages zu räumen und bezog im fürstlich Schwarzen- bergschen Garten und im anstoßenden k. k. Belvedere eine Y erteidigungsstellung. Am 10. Oktober traf die aus Ungarn sich zurückziehende kroatisch-slavonische Armee unter Kommando des FML. Baron Jellacic südlich bei Wien ein, worauf nach einer Besprechung der beiden Korpskommandanten, Auersperg am 12. Oktober seine Position im Schwarzenberggarten verließ und mit der Wiener Garnison auf den Laaerberg marschierte. Die beiden vereinigten Korps gruppierten nun ihre Kräfte derart, daß das Korps Auersperg mit einem Teile der kroatisch-slavonischen Armee Wien südöstlich und südlich, von der Donau bis Atzgersdorf, cerniert hielt, während das Korps des Banus mit dem Gros an der Linie der Schwechat, von Himberg über Schwechat bis Kaiserebersdorf stand, um eine zu gewärtigende Vorrückung der ungarischen Armee und deren Vereinigung mit den Wiener Insurgenten, selbst durch Annahme einer Schlacht, zu verhindern. In dieser Verfassung erwarteten die beiden Korps die Ankunft der aus Böhmen, Mähren, Schlesien und Galizien ’) Über die Operationen der österreichischen Armee gegen Wien in der Zeit vom 6. bis 23. Oktober vergl. Czeike, „Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848” (Mitteilungen des k. u. k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. IV. Band, Wien 1906).