Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

298 'Jus t. scheint nicht mehr so stark wie vordem zu sein. Sie sagte mir bei der ersten Visite, daß sie sich auf den Ausgang dieses Jahres und Deine Anherokunft freue, welches, wie ich bemerkte, der üble humeur der Frau Pfarrerin verursachen mag. Gestern hat sie bei uns gespeiset. Mein Sohn hat sie nach Haus begleitet und Bekanntschaft mit Herrn und Frau Molnár gemacht, welche sie ein wenig mit dem Hang zum weißen Rock foppten. Ich und mein Sohn haben ihr alle Beschwernisse des Soldatenstandes lebhaft geschildert, besonders sagte ich ihr, daß eine Soldatenfrau sehr haus­hälterisch und ordentlich sein müsse, um anständig leben und auslangen zu können. Doch ist sie zu allen diesen Erinnerun­gen noch zu jung und betrachtet jetzt nur das Blendende, wovon sie bei mehrerer Einsicht wohl selbst das Richtige erkennen und ihre Phantasie zu ändern wissen wird. Wir haben heuer ein mittelmäßiges Jahr, doch dürfte die Fechsung so wie voriges Jahr, der Preis aber etwas höher ausfallen, wodurch merkliche Melioration der Ökonomie wird erfolgen können. Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder „ . „ Paul Kray. Pest, den 10. November 1802. Nachdem ich zu Ende Oktober alle Bau- und Wirt­schaftsgegenstände in Topolya beendigt, bin ich vor einigen Tagen wieder hier zurück angelangt und habe Deine Tochter gesund angetroffen, die Dir die Hände küsset. Sie zeigte mir Deinen letzten Brief, der sie in der Ungewißheit lasset, ob Du sie länger hier belassen oder aber zurück nach Käs­mark nehmen wolltest. Sie wünschte zwar hier zu bleiben, jedoch nicht mehr bei Frau Molnár. Sie wünscht, wie mir deucht, mehr in Freiheit zu kommen und hätte alsdann Lust, im Kloster bei Notre-Dame nur Stunden in Galanteriearbeit zu nehmen. Ich sagte ihr auf dieses Projekt, daß ein Mädel ohne Begleitung einer Frau allein wohl nicht schicksam aus­gehen kann und daß bloße Galanteriearbeiten sich für ihren künftigen Stand nicht schicken, weil jede Person von Adel sich dergestalt in allen zum Hauswesen nützlichen Geschäften

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