Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

284 Just. hier alles zu übertragen, wozu ich meinen alten Freund Herrn Pfarrer Stephan von Toth bestimme, der es hoffentlich über­nehmen wird. Ich werde in 3 bis 4 Tagen von hier nach Preßburg reisen, um zu sehen, allda ein Quartier mir auszuwählen, wann Friede werden sollte; widrigens müßte ich noch länger in Baja meine Equipage lassen, bis mein Haus in Topolya fertig, welches bis September sein dürfte. Mein Sohn schreibt mir selten und scheint sehr disgustiert, daß er nicht avanciert und ich nicht nach Preßburg zog. Er ist gewohnt, nur durch mich und ohne seine Zutat rasch zu avancieren und ebenso ist ihm seine jährliche Zulage von 800 fl. nicht ausgiebig genug. Nun will ich sehen, ob er im Ungarischen und Lateinischen sich geübt und wie er sich sonst betragen wird, denn ohne ersteres macht er eine elende Figur in Topolya, wo lauter Ungarn sind, und zur Verteidigung seiner Rechte muß er lateinisch verstehen. Alles dieses habe ich ihm ernstlich aufgegeben. Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul. Pest, den 9. März 1801. Dein Brief vom 28. Februar hat mich schon in meiner Rückreise heute zu Pest eingeholt. Ich habe hier beim General­kommando eine Verordnung des Erzherzog Karl gelesen, in welcher er sagt, Se. Majestät der Kaiser hatten auf seine angelegentliche Vorstellung bewilligt, daß ich mich in Pest und Ofen ungehindert aufhalten, selbst nach Gutbefund meine Wohnung allhier nehmen könne. Dieser Verordnung war ein eigenes Handschreiben1) des Erzherzog Karl an mich bei- *) *) Wien, 1. März 1801. Es haben Se. Majestät der Kaiser auf meine angelegentliche Verwendung die Allergnädigste Entschließung in betreff des Herrn Feldzeugmeisters dahin erlassen, daß Dieselben ganz nach Ihrem Gutbefinden in Pest und Ofen für die Zukunft Ihren Aufenthalt nehmen können. Dem königl. Ungarischen Generalkommando ist wegen dieser die Weisung zugegangen. Es gereicht mir aber zum vorzüglichsten, angenehmen Ereignis, dem Herrn Feldzeugmeister hei dieser Gelegenheit einen kleinen Beweis meiner vorzüglichen Hochachtung geben zu können und deshalb habe ich nicht versäumen wollen, Ihnen unverweilt diese Nachricht selbst mitzuteilen. Erzherzog Karl m. p.

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