Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - IV. Abschnitt. Krays Teilnahme am 2. Koalitionskrieg 1799-1801

272 Just. Stellung als zu exponiert und zog sich, nur schwach verfolgt, längs der Donau über Nördlingen auf Regensburg zurück, während Moreau München besetzte. Der Waffenstillstand von Parsdorf (13. Juli) unterbrach die Feindseligkeiten bis zum 13. November, innerhalb welcher Zeit eine Neugruppierung der Kräfte stattfand und das Haupt­quartier nach Alt-Ottingen verlegt wurde. An Stelle Krays, der seine Abberufung am 28. August erhielt, wurde Erzherzog Johann zum kommandierenden General der Armee inDeutsch- land ernannt. Alt-Öttingen, den 25. Juli 1800. Dein letztes Schreiben vom 16. Juni, daraus ich Deine anhaltenden mißlichen Gesundheitsumstände mit vielem Be­dauern entnehmen mußte, ist lange herumgeirrt und hat mich erst vor vier Tagen eingeholt. Auch mir tut mein dermalig sorgenvolles und fatigantes Leben wehe und bin ich sehr froh, daß ich auf Anleitung des Kaisers einen Waffenstillstand auch bei hiesiger Armee schließen durfte, wodurch es vielleicht doch zu einem baldigen Frieden kommen dürfte, weil die Ressourcen von Seiten des Reiches aufhören und überhaupt der preußische Anhang im Reich alles verschlimmern mußte. Es ist mir leid, daß Du bei der Statution in Topolya, so den 30. dieses geschieht, nicht anwesend sein kannst, wo­bei Graf Keglevich selbst erscheinen und die Honneurs machen wird. Diese Akquisition ist in meinen alten Tagen mir mehr zur Last und so mein Sohn keine männlichen Erben bekommt, sind auch alle Unkosten umsonst angewendet. Schade, daß in diesem Gut nicht einmal ein schlechtes Wohn­haus ist, da doch bei 500 Häuser sich befinden sollen. Nun trage ich an, ein kleines Landhaus nebst Schüttkasten bauen zu lassen, damit ich doch ein Absteigquartier erhalte. Uber den üblen Fortgang des heurigen Feldzuges ver­dienen die Ereignisse einen dunklen Schleier. Freilich war ich seit Anfang des Feldzuges immer zu schwach, den über­legenen Feind entscheidend zu überwältigen, jedoch haben manche meiner Herren dem Zutrauen, so ich in sie setzte, auf keine Art entsprochen, worunter vorzüglich, im Ver­trauen gesagt, General Sztáray begriffen, der die Erkennt­lichkeit beiseite gesetzt, daß ich ihn zum Feldzeugmeister beim

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