Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - IV. Abschnitt. Krays Teilnahme am 2. Koalitionskrieg 1799-1801

Briefe des FZM. Paul Freilierrn Kray de Krajova. 273 Kaiser ausbat. So gehet es, wenn man die Leute nicht genug kennt und Vaterlandsanhänglichkeit mitwirken läßt. Ich mußte also vieles verschweigen, so aber doch durch den Armeeminister Lehrbach in Wien bekannt und dadurch Sztáray mittels Verordnung von der Armee entfernt und in Friedens­anstellung nach Böhmen übersetzt wurde. Darüber schreit er nun sehr und glaubt seine Ambition gekränkt, die aber nur in der Einbildung und gar nicht in Fähigkeiten besteht und leider Sr. Majestät selbst bekannt ist, weil er mir in Wien, als ich Sztáray zum Feldzeugmeister verlangte, sagte, mein Begehren befremde ihn, weil ich solches bedauern werde. Nun ist es freilich zugetroffen. Nach der Konvention können wir alle drei rückwärtigen Festungen, Philippsburg, Ulm und Ingolstadt, alle zehn Tage verprovisionieren und dadurch einen Kordon von 2000 Klaftern entfernt unterhalten, wodurch bei glücklichen Ereignissen alles wieder redressiert werden bann. Ich habe einstweilen mein Hauptquartier hier in Alt-Ottingen, einer bayrischen Stadt am Inn, genommen, den größten Teil der Armee nebst allen Vor­posten zwischen der Isar und dem Inn gelassen und ein großes Korps jenseits der Donau bei Kegensburg aufgestellt, welches in Verbindung mit jenem am Unterrhein bei Aschaffenburg und Amberg steht. Indessen wünsche ich, daß ein baldiger Frieden aller unserer Misere ein Ende mache und dann jemand anderer das Armeekommando führen und ich die letzten Tage in Kühe zubringen könnte. Ich embrassiere Dich etc. und bin unverändert Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Hauptquartier Alt-Öttingen, den 2. August 1800. Wir genießen die Waffenstillstandsruhe, die wir und der Feind höchst benötigen. Ob uns Gott daraus einen Frieden verleihen wird, steht zu erwarten. Ich befinde mich nebst meinem Sohn gesund. Heute ist die Statution in Topolya vollendet, die mein alter Freund Graf Keglevich persönlich vollbrachte und mich dadurch vieler Sekaturen überhoben hat. Ich erwarte nun, wie diese Sollemnität abgelaufen und welche ökonomische Anstalten Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte folge. VI. Bd. 18

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