Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
Die Mission Steigentesch 1809. 381 zu versehen, ist nicht festgestellt. Trägt sie wirklich dieses Datum, dann ist die Aussage Lindens, er habe die Mitteilungen aus Unterredungen mit Steigentesch gewonnen, eine bewußte, direkte Fälschung, weil dieser am 23. noch in Königsberg war und nach dem früher zitierten Begleitschreiben Wessenbergs vom 30. Juni1) erst am 28. in Berlin ankam. (Qui est arrivé avant-hier de Königsberg.) Es ist doch nicht völlig ausgeschlossen, daß Linden seine Kenntnisse vielleicht auf dem unlauteren, diplomatisch aber tolerierten und, wie eine recht stattliche Anzahl von Kopien geheimster Aktenstücke aus jener Zeit beweist, nicht gar zu selten betretenen Wege durch eine oder mehrere Mittelspersonen aus den Mappen der österreichischen Gesandtschaft oder des preußischen Ministers Goltz geschöpft und nur die Bestätigung von Steigentesch herausgeholt hat. Die von Stern hervorgehobene mangelhafte Schreibart der Namen würde sich hieraus unschwer erklären lassen. Insbesondere ist die Annahme, welche aus der Corre- spondance inédite abgeleitet werden könnte, nicht glaubhaft, daß Steigentesch die Abschriften des Briefes an den König2) und der Depesche Stadions an Wessenberg3) dem Baron Linden geliefert habe4), da er den genauen Wortlaut, namentlich des ersteren gewiß nicht kannte; dagegen dürfte Nagler diesen Brief, oder wenigstens eine Kopie, an Goltz gesendet haben. Wenn also Linden sich auf dem angedeuteten Wege die beiden Briefkopien zu verschaffen wußte, so drängt sich fast von selbst die Vermutung auf* daß er auch die übrigen Nachrichten aus der gleichen Q&fü[e schöpfte, um so mehr als Wessenberg am 26.J^ni an Stadion schreibt5), daß Nagler in sein§mf''Berjcjr(; an G oltz „raconte toutes les representations ét observations que le ± i a faites ä Steigentesch ä peu prés comme >) Vergl. S. 378. 2) Corr. inédite, VII, 408. 3) Ebenda, 410. 4) Stern, Abhandlungen und Aktenstücke, 87; Duncker, Abhandlungen, 287. Stern selbst sagt, Herr v. Linden habe „seinen guten Fund” anNapoleon gelangen lassen. 6) Vergl. S. 380.