Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
378 E b e r 1 e. „locken. Der einzige Kanton des Leibregiments enthält „außer dem vollzähligen Stande des Regiments über 5000 „exerzierte Leute. Diese Streitkraft mit der des Kurfürsten „von Hessen (der seinen Namen jetzt geltend machen „sollte und dessen Erscheinen auf der Bühne von seinen „Untertanen gewünscht wird) und des Herzogs von Braunschweig in Niedersachsen und Westfalen und mit „Hannover in Verbindung gebracht, könnte vielleicht allein „nach einigen glücklichen Ereignissen hinreichen, „Deutschland zu verteidigen. Auf Hannover, wenn es durch „eine Proklamation England wieder gegeben würde, kann „man am meisten, was Stimmung und Anstrengung betrifft, „zählen und ich bin fest überzeugt, daß man mit Zuversicht einem glücklichen Erfolg entgegensehen kann, wenn „man die zum Teil schon getroffenen Maßregeln schnell „benützt und nachdrücklich unterstützt. „Hier folgt der Brief des Pürsten Radziwill, der „sich, sobald er Antwort erhält, nach Breslau begeben will. „Er hat mir Briefe von mehreren seiner Verwandten ge- „zeigt, die, wenn Österreich Hoffnung gibt, sich der Selbständigkeit Polens nicht zu widersetzen, eine schnelle „Beruhigung der Gemüter und selbst ein näheres An- „schließen an uns versprechen. Da Hoffnungen und Versprechungen, die sich auf Dinge, die noch nicht sind, „gründen, nicht binden und nichts kosten, so habe ich es „über mich genommen, das was der Brief nicht deutlich „genug sagt, mündlich zu erklären. „Bald werde ich die Ehre haben, sowohl über diesen „Gegenstand, als über manchen anderen meine Ansicht „gehorsamst zu unterlegen. Euer Exzellenz untertänigst gehorsamster Diener Steigentesch. „Königsberg, den 23. Juni 1809”. Diesen letzten Bericht des Obersten Steigentesch übersandte Wessenberg am 30. Juni mit einem Begleitschreiben1) an Stadion, in welchem er die beiden Vor- *) *) K. A., Militärfeldakten b 1809, 86 b.