Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

Die Mission Steigentescii 1809. 379 schlage, künftige Gestaltung Polens und Bildung einer preußischen Legion, der Beachtung empfiehlt und mitteilt, daß er sich beeilen werde, seine auf eigenen Erhebungen und eigenen Anschauungen gegründeten Bemerkungen (les reflexions que mes recherches et ma maniére de voir m’ont fourni ä leur sujet) dem Grafen mit dem nächsten Kurier zukommen zu lassen 1). Steigentesch habe sich an Ort und Stelle überzeugt, daß Österreich kein sehr günstiges Resultat von den Unter­handlungen mit Preußen erhoffen könne; es scheine sogar, daß der König gegen Rußland Verpflichtungen eingegangen sei, die er seinen Ministern nicht anvertraut habe und es sei sicher, daß er keinen Entschluß fassen werde, bevor die österreichische Armee den Feind zum Rückzug genötigt habe ; er wolle aus unserem Erfolg Gewinn ziehen, jedoch unbedingt vermeiden, unsere Schicksalsschläge zu teilen. (Qu’il est decidé ä profiter de nos succés, mais qu’il veut éviter de toute maniére de partager nos revers.) Die Haltung der französi­schen Regierung begünstige diese Unentschlossenheit des Königs, der sich unglücklicherweise schmeichelt, daß Napo­leon irgend einen Grund oder ein Interesse habe, ihn zu schonen1 2), weil er nicht auf die Erfüllung des Erfurter Ver­trages dringe; diese zeitweilige Mäßigung hindere den König, den offenen Abgrund vor seinen Augen zu sehen. Die Mission war nicht nur mißglückt, sie hatte sogar statt der beabsichtigten Annäherung eine empfindliche Span­nung herbeigeführt. Wessen berg zeigte am 26. Juni dem Grafen Stadion an3), daß Goltz ihm einen Bericht Naglers zur Kenntnis ge­1) Über den Vorschlag Gneisenaus vergl. die Abhandlung von Binder-Krieglstein, Mil. Wochenblatt 1896, Nr. 76. Wessen- berg beurteilt in seinen Bemerkungen (K. A., Milibärfeldakten b 1809, 86 f) das Projekt sehr skeptisch und verspricht sich wenig Erfolg. Der Vorschlag samt Bericht und Bemerkungen Wessenb’ergs wurde am 18. Juli aus Komorn an den Generalissimus zur Einsicht und Erwägung abgesendet. (K. A., Militärfeldakten b 1809, 86.) 2) Vergl. Bailleu. Zur Geschichte des Jahres 1809 (Historische Zeischrift), 458. 8) Haus-, Hof- und Staatsarchiv.

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