Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
Die Mission Steigentesch 1809. 369 dem man vorrücken und mit dem man schießen kann. Mir fehlt es an allem, nicht einmal dressierte Leute habe ich.” ,,Wir werden dereinst alles tun, kein Mensch ist dabei interessierter als ich; aber jetzt ist der Augenblick noch nicht da.” Die Königin vertröstete Steigentesch mit Tränen in den Augen: „Vertrauen Sie mir, wenn [Sie auch sonst kein großes Vertrauen in unsere festen und schnellen Entschlüsse haben sollten, denn es ist ja unserer aller Sache und bedenken Sie, daß ich Mutter von Kindern bin, denen der König suchen muß, ihr Eigentum und das Erbe ihrer Väter zu erhalten.” Dagegen waren der G-roßkanzler Beyme und General Scharnhorst begeisterte Anhänger der gemeinsamen Sache mit Österreich. Beyme, welcher erklärte, Preußen . hätte bereits vor sechs Wochen offen eintreten sollen, hatte dem König schon vor zwei Monaten hiezu geraten und versicherte, daß er, da man sich vor ihm zu scheuen beginne, einen anderen Minister dränge, in der nächsten Konferenz nachdrücklich zu sprechen; er wolle, falls dieser zögere, noch einmal selbst das Wort ergreifen. Er war durchaus nicht für die Eroberung Norddeutschlands, sondern für eine kräftige Mitwirkung an den Operationen der österreichischen Hauptarmee, um den gemeinsamen Feind zu vernichten. Scharnhorst schilderte dem Obersten Steigentesch die militärischen Hilfsmittel Preußens in einer gegenüber den kleinmütigen Äußerungen des Königs geradezu glänzenden Weise. Er bezifferte den in wenigen Wochen erreichbaren Stand der Armee mit 100.000 Mann, Pulver und Munition sowohl für Artillerie als für 100.000 Mann seien auf ein ganzes Jahr vorrätig; dann zeigte er Steigentesch eine Berechnung, wonach durch das Steigen der Seehandlungspapiere, das infolge der preußischen Offensive sicher zu erwarten war, allein die Kosten der ersten Rüstungen gedeckt seien und daß durch eine Hypothek auf die königlichen Güter im Verein mit der bei der Erhaltung der Armee erübrigten Summe — da diese aus den besetzten Ländern gezogen werden könne — die Staatsschuld in drei bis vier Jahren getilgt sein würde. All dies habe er in einer Denkschrift, die er dem Obersten vorwies, dem König unterbreitet, Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. V. Bd. 24