Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

370 E b e r 1 e. ohne ihm jedoch einen Entschluß abringen zu können. Die Denkschrift schloß mit den Worten: „Wenn Eure Majestät noch länger unbestimmt in dem Entschluß bleiben, den die Notwendigkeit und die Sicherheit und die Ehre Ihrer Krone laut fordern, so sind nur zwei Fälle möglich. Entweder siegt oder unterliegt Österreich. In dem ersten Falle würden Eure Majestät die Demütigung erfahren, Ihre verlorenen Provinzen als ein Almosen aus den Händen von Österreich zurück­zuerhalten, oder in dem zweiten, weit schrecklicheren Falle das entehrende Schicksal haben, Ihre Armee wie die Miliz einer Reichsstadt selbst ohne Widerstand entwaffnet zu sehen und sich unbedingt dem drückendsten Joche unter­werfen zu müssen.” Auch General Blücher habe in ähnlichem Sinne ge­schrieben und für den Fall, als der König unentschlossen bliebe, seinen Abschied gefordert. Steigentesch entwirft schließlich ein Bild der führenden Persönlichkeiten. Er bezeichnet Scharnhorst als einen Mann von aus­gebreiteten Kenntnissen, mit festem Willen für das Gute und treuen Anhänger Englands. Sprache und Ideen seien langsam und man werde im Felde ein „eigenes, rasches Handeln von ihm fordern” müssen. Dagegen herrsche über die Tüchtig­keit und Fähigkeit Gneisenaus nur eine Stimme, der auch er recht gibt. Den Finanzminister Altenstein vergleicht er in einer Hinsicht mit Montecuccoli, er brauche immer dreimal Geld; im übrigen sei er der An- und Nachbeter seines Schwagers Nagler, ohne dessen Gutheißen er keinen Schritt wage. Nagler wollte sich des ihm erteilten Auftrages ent­ledigen und erbat sich den Besuch des Obersten Steigen­tesch für den 18. Juni; dieser schildert die Unterredung in seinem Bericht1). Wie früher sprach Nagler auch diesmal bald im Vertrauen, bald im Namen des Königs, sichtlich bemüht, dem Kern der Sache aus dem Wege zu gehen. Er eröffnete dem Obersten, daß der Entschluß des Königs noch nicht reif sei, daß der König aber einen Offizier in das *) *) Stern, Abhandlungen und Aktenstücke, 80.

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