Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

368 E b e r 1 e. „mittiere und die allgemeine Aufmerksamkeit erregen würde, „und daß, wie er von dem Grafen Goltz hörte, der König „meine längere Anwesenheit dort ablehnen werde. Zugleich „machte er mir den Vorwurf, nicht über Berlin gekommen zu „sein, und stellt mir die Notwendigkeit vor, dies auf meinem „Rückweg zu tun, um uns unsere Erfahrungen mitzuteilen, „die ihm jetzt um so nötiger sind, da er die Vollmacht erhalten „hat, den Traktat mit Preußen abzuschließen. Der Baron „Wessenberg weiß nicht, daß ich den Befehl hatte, auf „meiner Hinreise nicht über Berlin zu gehn, da ich den „Gang seiner Verhandlungen aus seinen Berichten kannte, „und gerade mein schnelles Erscheinen den Beschluß des „Königs überraschen, und ihn dadurch, daß er sich für „kompromittiert hielt, zu etwas Festem bestimmen sollte. In­dessen hat der Graf Goltz . . . Daraus scheint hervorzugehen, daß W essenb erg, durch dessen Hände die Berichte an Stadion gingen, während jene an den Erzherzog direkt gesendet wurden, auch in der Folge keine Kenntnis der Instruktion des Obersten erhalten sollte. Vielleicht vermied es Steigentesch, der wohl wußte, daß die Gesandtschaften von Spionen wimmelten, diese geheime In­struktion einem an den Gesandten gerichteten Schreiben an­zuvertrauen. Der König, durch die Vorstellungen des Grafen Goltz und überdies durch die Intervention des französischen Konsuls und des russischen Residenten gänzlich umgestimmt, beauftragte alsbald den Legationsrat Nagier, den unbequemen Sendling schonend zu entfernen. Obwohl Gneisenau auf das Verletzende dieses Vorganges hinwies, gelang es den Einstreuungen Naglers, den König zum Festhalten an seinem Entschluß zu bestimmen. Oberst Steigentesch wurde am 17. Juni von der Königin empfangen, welche den guten Willen des Königs außer Zweifel stellte, aber ebenfalls betonte, daß ein derartiger Kampf die sorgfältigste Überlegung und Vorbereitung er­fordere. Während dieser Unterredung war auch der König eingetreten und antwortete auf die Bemerkung des Obersten, daß jetzt der Augenblick da sei, sich an Sachsen zu rächen: „Das ist recht gut, aber man muß doch etwas haben, mit

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