Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
Die Mission Steigentesch 18G9. 349 Dementsprechend sandte er am 3. Juni an Stadion seine „Ideen über die Art der Mitwirkung der preußischen Armee zum allgemeinen Operationsplan” mit dem Wunsche, „daß die preußischen Truppen sich recht bald nach diesen Richtungen in Bewegung setzen möchten”. Der Entwurf1) erörterte drei Möglichkeiten: 1. Verstärkung der österreichischen Hauptarmee in Österreich, um den Operationen mehr Nachdruck, bei Mißerfolgen einen Rückhalt zu geben. 2. Durch eine Vorrückung nach Sachsen die Abberufung der sächsischen Truppen vom Napoleonischen Heere zu erzwingen und sich der Hilfsmittel des Landes zu bemächtigen, dann aber ohne Rücksicht auf den eventuellen Beitritt des sächsischen Hofes zur österreichisch-preußischen Allianz, unverzüglicher Vormarsch gegen Frankfurt, um die Kommunikation der französischen Hauptarmee zu bedrohen und durch eigene Detachierungen gegen Kassel die günstige Stimmung in Westfalen und Hessen zu benützen. Der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig-Oels hätten sich in Sachsen an die preußische Armee anzuschließen. 3. Durch Verstärkung des Erzherzogs Ferdinand diesen in stand zu setzen, den Feldzug in Polen rasch zu beenden und mit seinen Truppen der Hauptarmee zu Hilfe zu eilen. Für den ersten Fall wären die in Oberschlesien liegenden 12.000 Mann in Eilmärschen durch Mähren zur Hauptarmee heranzuführen. Für den zweiten Fall sollte der bei und in Berlin versammelte Teil der niederschlesischen und märkischen Truppen, dann General Blücher mit den pommerischen Truppen verwendet werden, an welche sich auch Major Schill mit seinem Detachement anschließen konnte. Zur Ausführung des dritten Falles hätten sich die in Ost- und Westpreußen verteilten Truppen schnell zu versammeln und zur Armee des Erzherzogs Ferdinand zu stoßen. Mit Belagerungen wäre sich gar nicht abzugeben, jedoch zu trachten, die noch von französischen oder alliierten Truppen ’) K. A., F. A. 1809, Hauptarmee, VI, 72, ad 72. Der Entwurf ist datiert aus Ober-Siebenbrunn, 3. Juni 1809 und vom GM. und Chef des Generalstabes Wimpffen gefertigt.