Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
348 E b e r 1 e. der mißtrauische, jedem Affront abholde König einem auf ihn ausgeübten Zwang sogleich Widerstand leisten werde; und in der Tat: er beantwortete die unbequeme Herausforderung mit einer kühlen Ablehnung. Der Note Stadions vom 30. Mai folgte am 31. ein Allerhöchstes Handschreiben an den Generalissimus, worin ihm die Aggregierung des Prinzen von Oranien als Feld- marsehalleutnant und dessen Adjutanten Fagel als Major in der k. k. Armee angezeigt und der Erzherzog beauftragt wurde, das Weitere zu veranlassen1). Erzherzog Karl antwortete2), daß die Verlautbarung unverweilt erfolgen werde. ,,Ich glaube die Absicht E. M. „recht zu verstehen, wenn ich ihn [Oranien] immer in „meiner Nähe behalte und ihm daher seinen Aufenthalt in „meinem Hauptquartier oder nicht fern davon anweiseD „lasse.” Überdies erhielt der Generalissimus ein eigenhändiges Schreiben des Prinzen8), in welchem dieser eine vorläufige Orientierung über die Stärke (50.000 Mann, „sobald das erste Armement beendet sein wird”) und Dislokation der preußischen Armee entwarf und eine genaue Auskunft nach dem Eintreffen des Majors von Valentini, „den er stündlich erwartet”, in Aussicht stellte. Auf Grund aller dieser Nachrichten mußte Erzherzog Karl den Vorschlag Stadions als eine am allerhöchsten Hoflager bereits unabänderlich vollzogene, vom Kaiser gutgeheißene Tatsache betrachten; ob er selbst sie gebilligt, steht dahin. Ihm galt schließlich die Mitwirkung Preußens, wenn sie nur wirklich eintraf. ') K. A., Militärfeldakten b 1809, Nr. 76. 2) Markgraf-Neusiedl, 31. Mai. (K. A., Militärfeldakten a 1809, VI, 17.) 3) Wölkersdorf, 1. Juni. (K. A., F. A. 1809, Hauptarmee, VI, 12.) Die vom preußischen Major und Quartiermeisterleutnant von Valentini zusammengestellte Ordre de bataille und Dislokation des preußischen Heeres wurde dem Erzherzog mit einem Schreiben des Prinzen von Oranien vom 5. Juni wahrscheinlich am 6. Juni übermittelt. Die Stärke der preußischen Truppen betrug danach 43.136 Mann, u. zw. 44 Bataillone ä 600 Mann, 72 Eskadronen ä 125 Pferde, 4 Garnisonsbataillone ä 600 Mann und 46 Kompagnien Artillerie ä 116 Mann. (K. A., F. A. 1809, Hauptarmee, VI, 104, ad 104.)