Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Militärluftschiffahrt im Feldzug 1794. 161 einander. Während jene Organe, die an der Sache der Luftschiffahrt im Kriege direktes und persönliches Interesse hatten, begreiflicherweise behaupten, daß der französische Erfolg bei Eleurus zum größten Teile den Wahrnehmungen und Meldungen vom Ballon aus zu danken sei, lautet das Urteil der beteiligten französischen Generale wesentlich anders. Letztere äußerten sich skeptischer oder auch ganz absprechend über den Wert des Ballons, ja man kann sagen, daß Jourdans später, im Jahre 1799 abgegebenes Urteil viel zur Auflassung der Luftschiffertruppe beitrug1). Da die Generale sehr wohl erkannten, daß sie den Erfolg des Tages nicht so sehr den französischen Waffen oder gar der besseren Aufklärung, als vielmehr dem Abbrechen des Gefechtes und dem — vorschnell — anbefohlenen Rückzug seitens der Verbündeten zuschreiben mußten, der vielleicht eine direkte Eolge der Nachricht war, daß Charleroi, um dessen Entsatz es sich — eigentlich wohl nur nebenbei — handelte, unterdessen gefallen sei, so ist ihrem Urteil über den Wert des Ballons an diesem denkwürdigen Tage gewiß mehr Glauben zu schenken. Auch war ja der Stand der Schlacht in dem Augenblick, da Koburg diesen Rückzug anordnen zu müssen glaubte, für die österreichischen Waffen eher günstig, hatte doch der Angriff im Zentrum gerade kurz vorher, zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags, den Rückzug der französischen Division bei Gosselies und damit auch die eilige Einziehung des Ballons und seinen Rücktransport nach Charleroi zur Eolge. FM. Prinz Koburg hatte am 26. Juni, in Unkenntnis der am Vorabend erfolgten Kapitulation von Charleroi, seine Armee, rund 50.000 Streiter, in fünf Kolonnen, die Hauptkräfte an beiden Flügeln, ohne Ausscheidung einer Reserve zum Angriff angesetzt* 2). Jourdan verfügte einschließlich des nun als Reserve herangezogenen Belagerungskorps, Division Hatry, über 80.000 Mann, die nahezu in denselben — nun aber verschanzten — ' Stellungen, wie am 16. Juni, standen. Der von den Franzosen ’) Siehe später, Seite 167. 2) Hiezu Textskizze 2: Die Schlacht bei Fleurus. Dispositionen zur Schlacht und Relationen: K. A., F. A. 1794, Niederlande VII, 156, 157, 161. Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. V. Bd. 11