Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

162 Peters. im wesentlichen als reine Verteidigung geführte Kampf bot somit der Ballonbeobachtung die denkbar günstigsten Verhältnisse. Der mit Tagesanbruch beginnende österreichische Angriff zeitigte überall Erfolge, insbesondere im Zentrum. Die erste Kolonne des Zentrums unter FML. Quosdanovich drängte in den Morgenstunden die Vortruppen der Division Morlot von Frasnes her auf Thumeon und Mellet zurück; am Süd­ufer des dortigen Baches aber leisteten die Franzosen, von ihrer zahlreichen Artillerie unterstützt, mehrstündigen heftigen Widerstand. Erst nach einem bis gegen 3 Uhr nachmittags währenden Artilleriekampf gewannen die österreichischen Geschütze die Oberhand, und nun konnte Quosdanovich seinen Angriff auf Gosselies, die zentrale Hauptstellung der Franzosen, ansetzen. Dieser Angriff hatte, obwohl der mittler­weile eingelangte Rückzugsbefehl Koburgs seine volle Durch­führung verhinderte, doch den Erfolg, daß die Franzosen ihre Verschanzungen nördlich des Ortes räumten und daß auch der auf der Windmühlenhöhe bei Jumet aufgefahrene Fesselballon eiligst eingezogen und nach Charleroi zurück­transportiert wurde 1). Die Mittelkolonne Kaunitz griff unterdessen gegen 12 Uhr mittags die Division Championet an und warf sie, nachdem um ca. 2 Uhr nachmittags ein Gegenangriff der französischen *) *) In den Memoiren des Baron Seile de Beauctamps ist dieser Moment wie folgt erzählt: „...........Während der Rückzug auf unserer ganzen Linie begann, blieb der Ballon unbeweglich in der Höhe. Man sah die Artillerie, Munitionswagen und Marketenderkarren im Galopp vorübereilen; die Straße nach Charleroi war schon verstopft, und man hörte das Gerücht verbreiten, daß uns der Feind den Rückzug ab­schneiden und uns gegen die Sambre werfen werde. Nun ergriff auch uns große Unruhe ; die Aussicht, an unseren eigenen Stricken gehängt zu werden, hatte nichts Erfreuliches, und man wird begreifen, daß wir, wenn es uns auch nicht an Eifer fehlte, doch mit großem Vergnügen endlich das Signal befolgten, den Ballon einzuholen und uns dem Rück­zug anzuschließen, denn jedermann glaubte damals die Schlacht ver­loren ; es war schon gegen 5 Uhr abends und die Straße nach Charleroi, mit Fuhrwerk aller Art bedeckt, machte unseren Marsch schwierig und langsam; plötzlich aber verstummte das heftige Artilleriefeuer des Feindes, nur in Intervallen waren einzelne Schüsse hörbar. Diese Änderung erfreute uns sehr, den Grund hiefür aber erfuhren wir erst, als wir in Charleroi ankamen.”

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