Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

160 Peters. staub auf den Karrenwegen, die Bessourcenlosigkeit der Gegend und sonstige Erlebnisse. Hingegen bleibt die Durchführung einer während des Marsches in der Gegend südlich von Thuin befohlenen Auffahrt fraglich, denn außer einer Stelle in einem Schreiben des Volksrepräsentanten Guy ton vom 22. Juni an den General Favereau1) gibt keine Quelle darüber Auskunft. Sicher ist nur, daß der Ballon am Abend des Marsch­tages vom Kommandanten des Belagerungskorps vor Char­leroi mit großer Suite und Militärmusik empfangen und bei Marchiennes au Pont in einem niedergebrannten Meier­hof eingestellt wurde * 2). So kam der „Entreprenant” gerade zur entscheidenden Schlacht des Feldzuges, jener bei Eleurus am 26. Juni zurecht; ihr für die Franzosen siegreicher Ausgang trug nicht wenig zur Popularität der Mihtärluftschiffahrt bei. Es ist heute schwer, zu einem abschließenden Urteil darüber zu gelangen, ob das französische Armeekommando aus den im Verlauf dieser Schlacht vom Ballon herab erstatteten Meldungen irgend einen auf den Gang der Ereig­nisse oder gar den Ausgang der Schlacht Einfluß nehmenden Nutzen gezogen hat. Denn diese Meldungen sind leider später verloren gegangen und die über den Wert des Aufstieges erhaltenen Anhaltspunkte, Äußermigen und Auf­zeichnungen von Augenzeugen und Beteiligten widersprechen *) Diese Stelle lautet: „ ..........Der General en chef Jourdan, mit welchem der Ballontransport vereinbart ist..........wünscht auch, da ß der Ballon in der Höhe von Merbes oder an einem für die Beob­achtung besonders günstigen Punkt eine Auffahrt mache. Du wirst also dem Hauptmann [der Luftschifferkompagnie] den Auftrag dazu geben........” (Veröffentlicht von Oberst Coutanceau.) 2) Von einem Aufstieg vor Charleroi, der den Zweck haben konnte, Einblick in die Maßnahmen der belagerten Österreicher zu gewähren, spricht nur ein mündlicher Bericht Guyton de Morveaus im Wohlfahrtsausschuß. „Coutelle stieg am 23. Juni mit dem General Morlot auf und blieb unter lebhaftem Feuer der Österreicher acht Stunden lang in der Luft.” — Auf Grund der Wahrnehmungen der Luft­schiffer soll der französische Kommandant den Sturm beschlossen haben, der aber nicht mehr stattfand, da die Festung Charleroi wahrend des Beginnes der Schlacht bei Fleurus kapitulierte.

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