Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

Militärluftschiffahrt im Feldzug 1794. 159 Luftschiffer, welche die Stricke hielten, marschierten auf den Straßenrändern 1).” „Die Gondel enthielt die zwei Fesselseile, eine Zelt­leinwand, einige Haken und Zeltpilöcke, um den Ballon bei Nacht oder starkem Winde am Boden festhalten und ver­sichern zu können, sowie die Ballastsäcke und die Signale.” Der zweite Augenzeuge, der in der Luftschifferkompagnie eingeteilte Baron Seile de Beauchamps, schreibt darüber in seinen Memoiren: ,, .........Es handelte sich jetzt darum, den B allon aus einer Stadt herauszubringen, die mit einem dreifachen Gürtel von Wällen und Gräben umgeben und an drei Seiten von ansehnlichen feindlichen Kräften beobachtet war, welche wohl den Aerostaten und seine kleine Eskorte beim ersten Anblick vernichtet hätten. Eine runde Maschine von mehr als 30 Fuß Durchmesser, die natürlich um mehr als dieses Maß über die Erde erhoben bleiben muß, läßt sich schwer verbergen. Trotzdem gelang der Transport ganz gut. Einen Tag und eine Nacht brauchten wir zu den Vor­bereitungen. Das Ballonnetz wurde mit 16 langen Stricken versehen, je ein Mann handhabte einen solchen und gegen 2 Uhr begannen wir den Transport über den ersten Wall. Die Hälfte der 16 Leute stieg, die Stricke allmählich ver­längernd, auf Leitern in den Wallgraben ab, während die anderen auf der Brustwehr warteten; hierauf erklommen die ersteren die Kontereskarpe und gleichzeitig stiegen die letzteren in den Graben hinab. Dies geschah derart, daß der Ballon nur um weniges höher als die Brustwehren aus der Festung glitt. Die drei Umfassungen wurden so in der größten Stille übersetzt. Vor Tagesanbruch hatten wir die Straße nach Namur erreicht und fühlten uns ziemlich in Sicherheit. Bei Sonnenaufgang jedoch erhob sich plötzlich der Wind und da die Chaussee von großen Apfelbäumen eingefaßt war, so war zu fürchten, daß der Wind den Ballon gegen die Aste schleudern und ihn schwer beschädigen könnte ; man mußte also querfeldein marschieren ...........” Un ser Gewährsmann verbreitet sich nun über die Strapazen des Marsches, die Junihitze, den lästigen Kohlen- *) *) Die Berittenmachung derselben scheint also nicht durchge­führt worden zu sein.

Next

/
Oldalképek
Tartalom