Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Militärluftschifi'ahrt im Feldzug 1794. 139 Umkreise von 9 bis 10 km das Terrain ziemlich genau absuchen, auf 4 bis 5 alte französische Meilen, d. i. 17 bis 22 km x) aber jedenfalls Staub- und Rauchwolken ganz wohl ausnehmen und Einblicke in Terrainfalten und Deckungen gewinnen konnte. Der Ballon hätte also bei den Kämpfen im Mai gewiß sehr ersprießliche Dienste leisten können. Die Schwierigkeiten und die lange Dauer der technischen Vorarbeiten brachten es mit sich, daß der erste Aufstieg auch für die Gefechte bei Gosselies zu spät kam und daß sich die Luftschiffer den Ruhm entgehen lassen mußten, die wichtigen Verschiebungen der Kräfte der Verbündeten rechtzeitig zu entdecken. Am 2. Juni, als der erste Aufstieg erfolgte, waren diese Verschiebungen aber größtenteils bereits vollzogen und der Kampf tobte in einem für die Beobachtung zu entfernten Raume 2). So ergab der erste Aufstieg fast nur negative Resultate. Der Grund hiefür ist also in erster Linie in seiner Verspätung hinsichtlich der Ereignisse und nicht so sehr in technischen Mängeln oder in der begreiflichen Ungeübtheit der Beobachter3) zu suchen. Schon am 10. Mai hatte der Divisionär und Festungskommandant in Maubeuge, General Favereau die Ankunft des Ballons nach Paris gemeldet. Nähere Details über den Ballontransport4), die Installierungsarbeiten und den ersten *) *) Diese Daten sind größtenteils der im zitierten Kapitel „Les aérostiers” von Oberst Coutanceau enthaltenen „Instruction sur le service d’une compagnie d’aérostiers, formée par ordre du Comité du salut public” entnommen. 2) Maubeuge — Gosselies — ca. 39 hn. 3) Übrigens erfordert bekanntlich die Orientierung und Beobachtung vom Ballon, insbesondere vom gefesselten Kugelballon aus, welcher je nach der Windstärke und Richtung nicht nur Pendelschwankungen, sondern auch Drehungen um seine Vertikalachse ausführt, viel Übung und Sicherheit, welche die damaligen Luftschiffer nicht haben konnten. Die allgemeine Einführung des Drachenballons erfolgte ja, weil nur aus möglichst stabilen Ballons richtige Beobachtungen denkbar sind. Auch ist es nicht jedem Offizier gegeben, aus der Vogelperspektive Truppenbewegungen und Situationen richtig zu beurteilen. *) Nach einem von Oberst Coutanceau zitierten französischen Archivakt bestand dieser erste Ballontrain der Kriegsgeschichte in-