Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
140 Peters. Aufstieg in Maubeuge enthalten die sehr lebensvollen und interessanten Memoiren eines Soldaten der ersten Luftschifferkompagnie, des nachmaligen Leutnants dieser technischen Truppe, Baron de Seile de Beauchamps1), der unter anderem erzählt: ,,Vor Maubeuge angekommen, fanden wir den Platz auf einer Seite vom Feinde frei, wir konnten also hinein und man wies uns das alte Kollegiumsgebäude zu, dessen ausgedehnter Garten für unsere Arbeiten dienen sollte ........ Es wa r durchaus keine einfache Sache um die Gaserzeugung; unsere Vorkehrungen waren derart kostspielig, daß wohl nur eine Regierung damit einverstanden sein konnte, die vor keinem Hindernis zurückschreckte, wo es galt, die Mittel zur Verteidigung zu fördern. Die von Conté und Guyton de Morveau eingeführte Methode der Gasbereitung (den Wasserstoff durch Zersetzung des Wassers mittels glühenden Eisens zu gewinnen) wurde auch hier angewendet. Man baute zu diesem Zwecke einen Reverbére-Ziegelofen mit zwei Schloten. In den solid aus Ziegeln konstruierten Ofen setzte man sieben aus Creuzot stammende gußeiserne Rohre ein, welche man vorerst mit von Rost befreitem Eisenfeilstaub und Eisenresten füllte. Diese Rohre wurden an beiden Enden verkittet derart in den Ofen eingesetzt, daß vier davon unten, drei oben zu liegen kamen. Mit anderen Ziegeln wurde der Ofen bis auf einige Sichtlöcher vollkommen gedeckt und geschlossen. An einem Ende desselben brachte man einen erhöht aufgestellten länglichen Wasserbottich an, welcher durch kleine Röhrchen mit jedem der Eisenrohre im Ofen kommunizierte und sie mit Wasser versehen konnte. Am anderen Ende des Ofens stellte man einen zweiten viereckigen Bottich auf, welcher mit gesättigter Kalkwasserlösung klusive der 2 Werkzeug- und 1 Bagagewagens der Luftschifferkom- pagnie aus 9 schweren, vierspännigen Fuhrwerken, welche 7 gußeiserne Bohre, eine Anzahl Fässer mit altem Eisen und ein sehr schweres Ballonzelt im Gesamtgewicht von 17.000 Pfund enthielten. J) Diese Memoiren sind in dem, von Myrbach illustrierten Prachtwerk von Frederic Masson, ,,Aventures de guerre 1792—1809, Souvenirs et récits de soldats” veröffentlicht und haben den Titel: „Les aérostiers aux armées de la république”. D’aprés les mémoires de M. le Baron de Seile de Beauchamps.