Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

262 C z e i k e. Heide Bedacht genommen, wo sich ungeheuere Vorräte an Munition und Artilleriematerial aller Art befanden. Um diese Objekte gegen einen Überfall zu schützen, wurden die Truppen im Neugebäude durch Heranziehung des 2. Bataillons Erzherzog Wilhelm Nr. 12 aus Wiener-Neustadt verstärkt und das Kommando über diesen so überaus wichtigen Punkt am 11. Oktober dem Obersten Heller des General­quartiermeisterstabes übertragen1). Am 9. Oktober rückte als willkommene Verstärkung das Landwehrbataillon Paumgartten, über Klosterneuburg kom­mend, im oberen Belvedere ein und mit ihm kam auch der größere Teil des durch den Kampf am Tabor versprengten Grenadierbataillons Richter zurück. Beide Bataillone wurden mit Vivats empfangen. Die allgemeine Stimmung des Offizierskorps mag nach­stehende, bisher in der Kriegsgeschichte Österreichs noch nie dagewesene und nur durch die ganz abnormen Verhältnisse herbeigeführte Episode, näher beleuchten2). Uber Veranlassung einiger Stabsoffiziere versammelten sich am 8. Oktober fast sämtliche Stabs- und Oberoffiziere der im Lager befindlichen Truppen, um sich über ihre drückende und überaus unbehagliche Lage dem siegreichen Aufstand gegenüber auszusprechen und ihren bitteren Ge­fühlen über die vorausgegangenen Ereignisse Luft zu machen. Ein Hauptmotiv dieser Versammlung bildete das geringe Vertrauen des Offizierskorps nach oben und die Besorgnis vor weiteren nachgiebigen Maßregeln und noch stärkerer Kom- promittierung der militärischen Ehre. Man fand die Befürchtungen über den Geist der nicht­deutschen Truppen für ungerechtfertigt und war der Ansicht, daß rasches Handeln und eine kühne Offensive gegen die Stadt noch immer die Bewältigung der Anarchie herbeiführen könnte, dagegen eine längere Passivität der Ehre der Truppen nachteilig sei. *) Siehe hierüber auch Österreichische militärische Zeitschrift, 1849, 7. Heft. 2) K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, XIII, 33.

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