Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

Aufmarsch, der österreichischen Armee gegen die Revolution 1848. 263 Das Resultat dieser Beratung war, daß aus der Mitte der Versammlung zwei Stabsoffiziere an das Generalkommando abgeordnet wurden, um dasselbe zur Ergreifung der geeig­neten Offensivmaßregeln zu bewegen. Diese Stabsoffiziere gelangten jedoch nicht bis zur Person des Kommandierenden. Der im Lager anwesende Generalmajor Fürst Felix Schwarzenberg hielt jedoch im Gegensatz zu den ge­nannten Anschauungen die allgemeine Lage für äußerst kritisch. In einem Gespräch mit dem Grafen Hübner äußerte er sich wie folgt'): „Das Beispiel der Grenadiere kann ansteckend wirken, der Kommandant ist unfähig, endlich sind wir numerisch zu schwach, um einen Angriff der Insurgenten zurückzuschlagen, wenn wir ihnen die Zeit lassen sich zu verstärken oder wenn die nahende ungarische Armee ihnen die Hand reicht.” „Der Bestand der Monarchie hängt an einem Faden. "Wenn Jellacic nicht zur rechten Zeit kommt, wenn es ihm nicht gelingt die Ungarn zu verhindern, den Wiener Insur­genten die Hand zu reichen, wenn Windisch-Grätz nicht im stände ist, seinen Marsch gegen die Hauptstadt zu be­schleunigen, wenn ein rascher Friedensschluß mit Sardinien, den ich für höchst unwahrscheinlich halte, unsere italienische Armee nicht verfügbar macht, so weiß ich wahrhaftig nicht, wo wir die Mittel nehmen sollen, um mit der Revolution fertig zu werden.” Was das Verhältnis der im Lager befindlichen Truppen zu den Aufständischen und umgekehrt anlangt, so war das­selbe, den abnormen Zeiten entsprechend, in mehr als einer Beziehung ganz merkwürdig. In Wien waren die Leiter der Bewegung nach dem 6. Oktober eifrigst bestrebt, die entfesselte Volksleidenschaft fortgesetzt zu steigern, um so einen direkten Angriff auf die Position Auerspergs vorzubereiten. Der noch gut gesinnte Teil der Bevölkerung aber, zu schwach, gegen diese Agitationen offen aufzutreten, lebte in *) Hübner, Ein Jahr meines Lebens 1848 — 1849, 228, 229 und 232.

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