Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

258 C z e i k e. Von den Parteien des Umsturzes ebensosehr gehaßt und angefeindet als gefürchtet, von seinen Soldaten aber geliebt und verehrt, sah Windisch-Grätz im Vertrauen auf diese braven Truppen, gegen deren Verminderung er sich wieder­holt energisch wehrte1), fest und unerschrocken den kommen­den Ereignissen entgegen, die sein klarer Blick längst voraus­gesehen hatte. Die stetig sich erneuernden revolutionären Vorgänge in Wien ließen den baldigen Ausbruch einer offenen Empörung der Residenz nicht mehr bezweifeln. Fürst Windisch-Grätz war für diesen Pall fest ent­schlossen, mit den in Böhmen, Mähren, Schlesien und Galizien entbehrlichen Truppen2), rasch gegen Wien zu operieren, die Residenz, wenn nötig, mit Waffengewalt zu unterwerfen und so nach Besiegung der Revolution den Boden des Rechtes und der Gesetzlichkeit zu schaffen, auf welchem die Monarchie in ihrer alten Kraft wiederhergestellt werden konnte. Staatsmann und Feldherr zugleich, hatte er für diesen Zweck seit Monaten in aller Stille seine Vorbereitungen getroffen. Im Besitz des unbedingten Vertrauens des Kaisers Ferdinand und dessen hochherziger Gemahlin, der Kaiserin Maria Anna, fand der Fürst einerseits die so notwendige Unterstützung zum energischen Handeln, andererseits wurde er hiedurch auch in die Lage versetzt, auf die Entschlüsse des kaiserlichen Hofes Einfluß zu nehmen. r) Zwischen Latour und Windisch-Grätz kam es wegen der Inmarschsetzung von Truppen aus Böhmen auf den italienischen Kriegs­schauplatz zu wiederholten Auseinandersetzungen. „Wenn man so fort macht,” schrieb er an Latour, „geht man dem Untergang entgegen; die Dinge sind soweit gediehen, daß sich Wien nur durch die Gewalt der Waffen zur Ordnung zurückführen läßt. Man möge sich darüber keinen Täuschungen hingeben; ich für meinen Teil kann um Italien willen die böhmische Armee durch Entziehung ihrer besten Truppen nicht schwächen lassen.” (Helfert, Geschichte Österreichs vom Ausgang des Wiener Oktoberaufstandes 1848, I, 77.) Den mehrfachen energischen Vor­stellungen des Dürsten gelang es schließlich, weiteren Truppenver­minderungen in Böhmen, dessen Armeekorps schon auf den Stand von 28 Eeldbataillonen, 34 Eskadronen und 48 bespannte Geschütze herab­gesunken war, Einhalt zu tun. (K. A., Kriegsgeschichtliche Elaborate, 6.) 2) Diese Truppen werden in der Folge als „Nordarmee” bezeichnet.

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