Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution 1848. 259 Oberstleutnant Baron Langenau ging in geheimer Mission an den kaiserlichen Hof nach Innsbruck ab und brachte von dort in einem kaiserlichen Handschreiben dem Fürsten die erbetene Vollmacht, im Falle eintretender Not­wendigkeit über die Streitkräfte der Monarchie, mit Ausnahme jener der italienischen Armee, unumschränkt zu verfügen. Durch den Generaladjutanten des Kaisers, den Fürsten Lobkowitz und durch Oberstleutnant Baron Langenau stand der Fürst in stetem Verkehr mit dem Hofe. Er unterbreitete auch Seiner Majestät den Rat, sich bei einer eintretenden Katastrophe mit der kaiserlichen Familie unter dem Schutze verläßlicher Truppen, welche zu diesem Zwecke in der Nähe bereit gehalten werden sollten, von Schönbrunn nach Olmütz zu begeben. An die kommandierenden Generale in Mähren und Galizien — FML. Fürst Reuß-Köstritz und Freiherr von Hammerstein — hatte sich Windisch-Grätz mit dem Ansuchen gewendet, ihn eintretenden Falles schleunigst durch Truppensendungen zu verstärken. Endlich waren für die Truppen in Böhmen und für jene, welche in Mähren entbehrt werden konnten, die Marsch­pläne gegen Wien bereits vorbereitet. So war in eben dem Maße, als die Revolution die Monarchie an den Rand des Verderbens brachte, auch die Kraft gewachsen, die sie vernichten sollte. Österreich fand in einer seiner schwersten Krisen das, was es brauchte: Eine pflichttreue opferwillige Armee und den Mann, der sie zum Siege führte. Bildung der Südarmee vor Wien. Nach der Ermordung Latours war der Oberbefehl über die am Glacis konzentrierten Truppen der Garnison Wien in die Hände des kommandierenden Generals FML. Grafen Auersperg übergegangen. Sie blieben bis zum Einbruch der Dunkelheit am Glacis stehen und marschierten sodann in die Position des fürstlich Schwarzenbergschen Gartens und des k. k. Belvederes. In einem Bericht an den Kaiser motivierte Graf Auersperg diesen Entschluß damit, daß er die schwache 17*

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