Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution 1848. 257 Wer aber sollte bei dem ratlosen Zustand der Monarchie und in dieser Zeit, in welcher jede Autorität der legitimen Staatsgewalt zusammengebrochen und die Armee nach der Ermordung ihres Kriegsministers gleichsam verwaist war, diese durch große Räume getrennten Truppen ohne Zeitverlust in Bewegung setzen, sie vereinigen und zum entscheidenden Schlage führen? Nur einer war im stände, diese so überaus schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe zu lösen, ein Mann, zu welchem die ganze außeritalienische Armee, seit den März­tagen unaufhörlichen Angriffen schutzlos preisgegeben, ge- demütigt und erniedrigt, mit unbedingtem Vertrauen empor­sah, in dessen rettende Kraft sie allein alle ihre Hoffnungen setzte und dieser Mann war der Kommandierende in Böhmen, FML. Alfred Fürst zu Windisch-Grätz. Seine Energie und Konsequenz der Revolution gegen­über, hatte der Fürst schon zweimal betätigt. Im März 1848 als Zivil- und Militärgouverneur mit un­umschränkter Vollmacht zur Leitung der Staatsgeschäfte be­rufen, war es ihm durch kraftvolles Auftreten gelungen, dem weiteren Umsichgreifen der revolutionären Bewegung einen mehrwöchentlichen Stillstand zu gebieten und die einstürzende Staatsmaschine auf die Dauer seiner Vollmachten zu erhalten. Auf seiner Besitzung in Lesko]), wohin sich der Fürst nach seinem Rücktritt, Erholung suchend, zurückgezogen hatte, traf ihn die Nachricht von den revolutionären Ereig­nissen des 15. Mai in Wien und er eilte nun sofort auf seinen Posten nach Böhmen mit dem festen Entschluß, dieses ihm anvertraute Königreich dem Zepter Seiner Majestät zu erhalten. Mit eiserner Strenge warf er in Prag den Juniaufstand nieder, übte aber, trotzdem ihm seine Gemahlin ermordet worden war und sein ältester Sohn schwer verwundet dar­niederlag, mit seltener Großmut und geradezu heroischer Selbstüberwindung Milde und beruhigte das Land. Der herrliche Geist seiner Truppen, ihre Treue und An­hänglichkeit an die Person des Fürsten, hatten sich bei dieser Gelegenheit glänzend bewährt. *) Bei Tyrnau in Ungarn. Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. IV. Bd. 17

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