Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

202 Sernek. Diese Auffassung wurde durch die Erkenntnis gefördert, oder war vielleicht ganz auf dieser basiert, daß im Gegenfalle nur zwei Wege offen stünden. Entweder Montenegro exem­plarisch zu züchtigen, oder es dauernd zu besetzen. Gegen ersteres sprach der große Aufwand an Geld und Truppen, der Mangel an Transport- und Subsistenzmitteln, gegen letz­teres nebstdem der illusorische Wert, den nur die Vernichtung der Bewohner zu einem realen hätte umgestalten können. Den militärischen Ratschlägen *), die auf einen dritten, wohl den einzig richtigen Weg wiesen, verschloß man sich ganz. Diese verlangten einen festen Schutz der Grenze. Die Posten Gomila, Vidrák, der Kopacz und Gospodia sollten befestigt, mit Geschützen und einer entsprechenden Besatzung versehen, starke Unterstützungen in Marovich und Novoselo bereitgestellt und Aufnahmsposten in Spiridione und Ora- dienizza etabliert werden. In Oattaro, Budua, San Stefano und Lastua seien Reserven unterzubringen. Hiefür wurden bei absoluter Defensive, drei Bataillone, sonst aber sechs Bataillone gefordert* 2). Das Bewußtsein starker österreichischer Kräfte an der Grenze würde die Montenegriner für immer zur Ruhe zwingen, die blutige Lehre die Roßbach mit den wenigen Truppen ihnen erteilt, werde dann ihre Früchte tragen. — Vergebens! — War es engherzige, übel angebrachte Spar­samkeit, war es auch das charakteristische, stets wieder­kehrende Streben, das eigene Licht dann leuchten zu lassen, wenn die Gefahr vorüber, wenn der Soldat mit seinem Blute widerrief am 12., als er die Nachricht vom Frieden erhielt, alle getrof­fenen lnstradierungen. Man hatte sich eben zu sehr in der Überzeugung gefestigt, Montenegro könne nichts Ernstliches unternehmen und die unerwartete Bitte um Frieden war, da man ihre eigentlichen Beweg­gründe noch nicht erkannte, nur geeignet, dieselbe zu bestärken. *) Des FML. Lilienberg, Majors Poschacher und Hauptmanns Oreskovich. 2) Memoire Oreskovich und Lilienberg. H. H. u. St. A. Fas­zikel 9, Türkei - Grenzakte, II. Registr. 1838, Nr. 1529. Poschachers Memoire. — Die 3 Bataillone wurden vom FML. Lilienberg sofort, die 6 Bataillone erst mit dem Frühjahre gefordert, da es an Unterkunft etc. mangelte. Man wollte aber auch die 3 Bataillone nicht senden, um die Montenegriner nicht zu reizen. — R. K. M. Registr. 1838, Praes. Nr. 1496.)

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