Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
Repressaliengefechte gegen die Montenegriner. 203 Ordnung geschaffen — die militärischen Vorschläge blieben unbeachtet. Die bequemeren Ansichten der Diplomatie siegten über die unbequeme militärische Erkenntnis. Die Folgen blieben nicht aus. Trotz des 'Waffenstillstandes begannen die Grenzräubereien bald von neuem und die kaiserlichen Untertanen im Pastrovicchio waren ungestraft den empörendsten Gewalttätigkeiten der Montenegriner ausgesetzt. Umsonst baten sie dringend um Hilfe, umsonst berichtete FML. Lilienberg über ihr Elend. ,,Heute bei den vorhandenen Verhältnissen ist schon die Frage nicht mehr am Unrechten Orte, ob es weniger klug und mehr schimpflich wäre, die Oberherrschaft Montenegros anzuerkennen und einen jährlichen Tribut zu zahlen, als sich unaufhörlich öffentlich mißhandelt und seine Untertanen in das größte Unglück gestürzt zu sehen’’ — so schreibt dieser 1839 nach Wien. — Die Großmacht Österreich einen Tribut an Montenegro! Ein kaiserlicher General, dem edle Menschenliebe dieses Wort erpreßt! Endlich waren 1840 die diplomatischen Unterhandlungen beendet, der Friede kam zu stände, die Grenzstreitigkeiten wurden unter Beihilfe Rußlands im Sinne Österreichs erledigt. Hauptmann Kowalewsky mußte sich in Wien wegen seines Vorgehens entschuldigen und der Vladika ließ bei Budua einen Galgen errichten, auf welchem jeder gehenkt werden sollte, der sich erkühnte auf österreichischem Boden zu rauben. Gleichzeitig kamen die Klöster des Vladika, Stanjevic und Podmaini, durch Kauf unter österreichische Herrschaft, Montenegro hatte keinen Besitz mehr in kaiserlichen Landen. Um Gomila und im Bereiche des Kopacz war der Edlen Blut nicht ganz umsonst geflossen.