Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
198 Sernek. Entfernung. überhaupt erst am 9. anbefohlen. Die . Terrieri konnten nicht mehr zählen. Aus Montenegro kamen düstere Nachrichten. Von allen Seiten eilten neue Kämpfer den Brüdern der Czerniczka Nahia zu Hilfe und in Cettinje harrten über 3000 Mann, um am 7. unterstützend einzugreifen. Kaum 900 Mann standen gegen ebenso viele tausend. Diese Lage forderte neue Entschlüsse. Ein weiteres Festhalten der gewonnenen Höhen war undenkbar und unnötig. Vor allem galt es einem Einbruch der Montenegriner über den Kopacz zu begegnen — dem Schlüsselpunkt zum südlichen Pastrovicchio. Die ursprüngliche Linie mußte gehalten werden, gehalten um jeden Preis. Und hiezu entschloß sich Roßbach, das wollte er bis zum letzten Mann.' In lautloser Stille ließ er um Mitternacht die vorgeschobenen Abteilungen am Kopacz sammeln und in kurzer Zeit waren die 5. und 6. Jägerkompagnie, die 7. und 8. Infanteriekompagnie zu seiner Disposition vereint. Ungebrochen an moralischer Kraft und kühnen Mutes, aber physisch von dem fünftägigen Kampfe erschöpft, erwarteten die kaiserlichen Truppen den dämmernden Morgen, den übermächtigen Feind 1). Jeder einzelne war sich der Verhältnisse bewußt. Hier galt es nicht mehr zu siegen öder zu sterben, es galt nur zu sterben — und im Tode das Ehrenschild der kaiserlichen Waffen unbefleckt zu wahren: Ave Caesar morituri te salutant! Kein Laut unterbrach die tiefe Ruhe des dämmernden Tages. Still lagen die wilden Schluchten und Felsen, kein rollender Stein kündete die Feindesnähe. Schweigend standen die Truppen zum Letzten bereit, — doch vergeblich sahen die Späher nach einem anschleichenden Gegner. Was war geschehen? — Der Mittag brachte endlich Klärung. Von den Bergen stiegen Abgesandte des Vladika herab. Sie brachte den Frieden und baten um Waffenstillstand. Das Unglaublichste wurde zur Tat. >) E. K. M., Registr. 1838, Praes. Nr. 1400, 1401, 1402.