Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

Bepressaliengefechte gegen die Montenegriner. 199 Wohl war die Lehre, welche das wilde Bergvolk er­halten, eine harte und in der ihm allein verständlichen Sprache erteilt. Umsonst hatte es sich den Österreichern widersetzt, umsonst versucht, deren mutigen Widerstand zu brechen; aus mancher Hütte scholl die Totenklage und manchen der Brüder fesselte die Wunde an das Lager. Aber dennoch war es sich seiner Übermacht bewußt — die Spuren des Kampfes machten den einzelnen zum Helden, im Kampfe zu fallen, gab dem Leben die Krone. Über 8000 Mann standen bereit, die Niederlage von gestern heute mit der Vernichtung des Gegners zu rächen. Gewiß hatte wieder andererseits die beispiellose Kühnheit, die nie versagende Kraft des Vorgehens der Truppe einem Volke imponiert, das sich nur der Tapferkeit und der Gewalt beugt. Noch lange klang ja unter den Liedern Montenegros der Sang von diesem Kampfe1), von dem großen einäugigen Wojwoden* 2) und seinen unerschrockenen Wölfen, die würdig seien mit den tapferen Czernagoren zu kämpfen — aber gerade diese Lieder tönten in den Worten aus: „Dennoch Tod ihren Häuptlingen, Tod jenen Gottlosen, die gegen alles menschliche Kecht den Nachbarn seines Erbes berauben wollen, des Hauses worin seine Kinder geboren, und welches Gott ihm gegeben zu verteidigen, als die künftige Wiege seiner Kindeskinder.” Das Volk fühlte sich nicht besiegt; denn: „Glücklich hat das Gewehrfeuer, welches nachts gleich Schwärmen von Sternschnuppen von unserem Lager sprühte, hat der rasche Schwung unserer Säbel diese Weiberschänder zurückgetrieben, diese Herren der Schlösser an der grünen Küste, die Herren des Meeres, welches sie den Söhnen des Ozernojevic Ivo entrissen.” Nein! Es war nicht die Tapferkeit der Truppen, nicht die Furcht vor diesen, welche im entscheidenden Augenblick den Stillstand erzwang, —• diese Tapferkeit war auch zu hell leuchtend, um eines solchen Reliefs zu bedürfen — es war allein das mächtige Wort des Vladika. ') Paic und Scherb und Marko Fedoro witsch, Die Slaven der Türkei. 2) Boßbach batte bei Aspern ein Auge verloren.

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