Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
Eepressaliengefechte gegen die Montenegriner. 177 andererseits nicht unterlassen, die hier in Rede kommenden Grenzbewohner (der Czerniczka Nahia) aufzuhetzen. Gerade diese Nahia war ja sonst Österreich freundlich gesinnt und haßte den Yladika. Hatte sie doch früher Schritte getan, um unter Österreichs Schutz zu treten. Dem Yladika blieb dies unvergessen und nun bot sich von selbst die Gelegenheit, beide zu entzweien und dabei die Sympathien der Nahia zu gewinnen. Wie hätte er diese nicht benützen sollen! Er wußte, daß der Montenegriner die Verteidigung auch des illegalen Besitzes als Ehrenpunkt betrachtet, daß er bereit ist Blut und Leben dafür zu opfern und er kannte die Gesetze der Blutrache. Seine Absichten fördernd, machte sich der Einfluß des russischen Hauptmanns Kowallsky geltend, der den Leuten die für das Weiderecht zwischen den Dörfern in die Felsen gehauenen Kreuze auf österreichischem Gebiet als eigentliche Grenze bezeichnete. Solchen Schwierigkeiten gegenüber mußten alle weiteren Verhandlungen abgebrochen und einem späteren Zeitpunkt Vorbehalten werden. Der Yladika regte deren Beginn selbst an. Im Einvernehmen mit dem Kreisvorsteher von Cattaro bestimmte er den 23. Juli für deren Wiederaufnahme und sagte sein persönliches Erscheinen zu. Hierin, doch nur hierin, hielt er Wort, in allen anderen Fragen hatte er bald seinen Sinn geändert. Kaum war er zu bewegen, eine kleine Anhöhe zu besteigen, um das strittige Gebiet zu überblicken; die Dokumente, welche ihm vorgelegt wurden, wies er zurück. Ihrer mündlichen Wiedergabe konnte er sich allerdings nicht entziehen, doch obwohl gezwungen ihre Authentizität anzuerkennen, verwarf er sie mit der Begründung, daß Zeit und .Verhältnisse sich indessen geändert hätten. Montenegro sei derzeit im faktischen Besitz des Bodens und werde sich denselben nicht nehmen lassen, — er müsse sich hierin dem stürmischen Verlangen seines Volkes beugen. Umsonst waren alle weiteren Vorstellungen, alle Gründe. Selbst jene Linie, welche die Sanitätswachhäuser markierten, wollte er nun als Grenze nicht anerkennen. Wieder schied die Kommission ohne Resultat, wieder nahm sie das Versprechen künftiger Fortsetzung der VerMitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. IV. Bd. 12