Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

172 Sernek. Unter all den bevorzugten Nationen hatten sie endlich ihren Platz an der Sonne gefunden. Doch nicht für lange! Schon rückten österreichische Truppen zur Besetzung Dalmatiens heran. — Wohl sträubte sich der Yladika von der Beute abzulassen, wohl hißte er Rußlands Fahne auf den Mauern von Cattaro, zum äußersten Widerstand bereit. Doch vergebens! England stellte sich auf Seite Österreichs und damit war Cattaro, welches stets dem Beherrscher der See zu eigen wurde, für ihn verloren. Die Bocchesen verließen ihn und beugten sich dem neuen Herrn. Ohnmächtig mußte der Yladika das Land dem General Milutinovich übergeben. Ein zweites Mal hatte Montenegro den heißersehnten und kühn erstrittenen Besitz an Österreich verloren. — Eine Wunde, die nie vernarbte. Die Czernagorer waren damit endgiltig in ihre Berg­heimat zurückgewiesen, aber das leicht erregbare Yolk träumte weiter von seiner ephemeren Macht und sah in Österreich nur den Usurpator der verlorenen Gebiete. Zum Schmerze trat der Haß gegen dieses, der sich in heftiger Weise auch gegen die Bocchesen wandte, die im entscheidenden Moment des Bundes vergessen. Von nun an blieben Grenzüberschreitungen, die Raub und Plünderung im Gefolge hatten, an der Tagesordnung. Wenn auch mitunter auf rechtliche Weise, durch Kauf und Verkauf, setzten sich die Montenegriner doch meist durch Gewalttaten allmählich in den Besitz eines großen Teiles des Pastrovicchios und Dobrotas. Vergeblich waren alle Versuche Österreichs, eine feste Grenze und damit dauernde Ruhe zu schaffen. In dem Be­streben möglichst korrekt und gesetzmäßig zu handeln, ver­gaß es, daß das Recht stets und bei so wilden kriegerischen Nationen um so mehr, in der Spitze des Schwertes liegt, daß nicht künstlich erklügelte Paragraphen, sondern nur eine eiserne Paust den Übermut und die Raubgier eines wilden Volkes zu bändigen vermögen, vergaß es, daß es vitale Interessen waren, welche Montenegro an das Meer drängten und daß der Kampf ums Dasein in jeder Volksseele zu mächtig lebt, um anders als durch drohende Vernichtung in Schranken gehalten zu werden.

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