Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

Repressaliengefechte gegen die Montenegriner. 171 Alexanders Befehl nach dem Frieden von Tilsit wieder an Frankreich abtreten mußte. Trotzdem ließ er die Hoffnung nicht sinken seine Pläne endlich zu verwirklichen. Sein Ehrgeiz kannte keine Ruhe, seine Ausdauer keine Entmutigung. Der Sturz Napoleons im Norden Europas eröifnete ihm bald eine günstige Aussicht. Rasch entschlossen sammelte er die kriegs- und beute- frohen Scharen und schloß ein Bündnis mit den Bocchesenx). Vereint sollten beide die Franzosen aus dem Lande ver­treiben, Montenegro und Cattaro für ewige Zeit verbunden werden und einen Staat bilden, dessen Schutz sie den drei Großmächten an vertrauen wollten. Törichter Vladika! Er war persönlich ein Held und ein Mann von bedeutenden Geistesgaben, aber jene eigentümliche Naivität seines Volkes, welche nur kennt, was ihm frommt und anderer Rechte ganz vergißt, jene Naivität, die auch die Verwicklungen' 1838 herbeiführte, hatte er nicht abgestreift. Wie konnte er denken, daß Österreich ihn im Besitz jenes Landes schützen werde, das demselben nur der Friedensschluß entrissen — ! An der Spitze seiner Czernagorer eroberte Peter in rascher Folge Budua und das Fort S. Trinitä, sprengte letzteres in die Luft und zernierte mit Englands Hilfe Cattaro, das sich nach kurzem Widerstand ergab. Damit war das Ziel seiner Wünsche, der Lieblingstraum seines Volkes erreicht. Man muß das Gefühl und Empfinden der Montenegriner jener Zeit verstehen und würdigen, um ihre Haltung in der Folge zu begreifen. In Liedern glühender Begeisterung feierten sie den ruhmvoll erstrittenen Erfolg. Das Meer, nach welchem sie immer und immer von den Bergen sehnsüchtig herab­geblickt, mit seinen grünenden Gestaden und den leuchtenden Segeln, welche ihre Gesänge priesen, der freie Weg zu Handel und Verkehr, zu Reichtum und Macht, war ihnen erschlossen. *) Siehe Anhang III.

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