Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
170 Sernek. Dem Bajonett hielt das tapfere Bergvolk nicht stand. Der moralische Mut war immer der Besieger des physischen. Veranlassung des Konfliktes mit Österreich. Die Ursache zu demselben liegt in der Geschichte der Vergangenheit und dem durch diese bedingten Größenwahn des Volkes, liegt aber auch in den stolzen Plänen des Vladika. Die nächste Veranlassung gaben die Grenzstreitigkeiten und die verhetzende Tätigkeit russischer Emissäre. Schon in jener Zeit, als Dalmatien noch zu den Gebieten Venedigs zählte, Montenegro dem Halbmond wenigstens nominell unterworfen war, blieb die Grenze zwischen beiden Ländern stets eine schwankende. Auf der Karte wiederholt festgestellt, wurde sie in Wirklichkeit nie eingehalten. Die Übernahme Dalmatiens durch Österreich 1797, nach dem Frieden von Campo Formio, schien den Hochländern der günstigste Zeitpunkt, sich noch vor dem Eintreffen kaiserlicher Truppen den Besitz der Ebene zu sichern und neue Grenzen zu schaffen. Der damalige Vladika Peter I. fiel unvermutet in das Nachbarland ein und besetzte Budua sowie einen Teil des Pastrovicchio. Die allgemeine Stimmung der Bewohner des usurpierten Gebietes, die sich für Österreich erklärten, zwang ihn jedoch in der Folge, seine Erwerbungen dem abgesandten österreichischen General Rukawina zu übergeben. Unmutig kehrte er in seine Berge zurück. Umsonst blieben seine weiteren Bemühungen, von dem Kloster Stanjevich aus die 2uppaner gegen den „Kaiser von Wien” aufzuwiegeln. Zürnend rächte er sich, indem er Rußland zum Protektor Montenegros erklärte. Damit hatte er für sich und die folgenden Vladikas die Absicht proklamiert, einst doch noch mit Hilfe Rußlands in den Besitz des umstrittenen Landes zu gelangen — Montenegro bis zum Meere auszudehnen. Als nach dem Frieden von Preßburg 1805 Dalmatien wieder unter französische Herrschaft trat, rief Peter I. die Russen aus Corfu zu Hilfe, besetzte Cattaro und beherrschte trotz aller Angriffe Marmonts das Land, bis er es auf Kaiser