Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - II. Die Feld-Artillerie-Regimenter 1772-1903 - A. Organisation

83 der Gliederung der Artillerie gegenüberzutreten. Das Resultat war die Organi­sation der Artillerie vom Jahre 1854. Es galt noch immer der Grundsatz, dass für 1000 Mann Infanterie 3 Geschütze, für ebensoviele Mann Cavallerie 4 Geschütze nöthig seien. Preussen zählte zu jener Zeit für 1000 Mann 3’6 Geschütze, Frankreich ebenfalls, Russland hingegen circa 3. Letzterem Verhältnisse schloss man sich an, rechnete aber in diese Zahl Vs Raketen-Geschütze ein. Was das Caliber an­belangt, galt in Frankreich zwischen schweren und leichten Geschützen das Verhältnis von 1 : 2'57, in Preussen von 1 : 3, in Russland von 1 : 1-87. Auch hier trat man dem Calcül Russlands bei. Das Verhältnis der Fuss- und der Cavallerie-Geschütze wurde mit 1:5 angenommen. Unbedingt nöthig erschien die Beibehaltung der langen Haubitzen. Nur stellte man schon damals die Forderung auf, dieselben in eigene selbständige Batterien zu formieren. Es ist von hohem Interesse, zu sehen, wie klar der Artillerie jener Zeit schon alle die Forderungen waren, welche ihr die neuere und neueste Zeit erst erfüllt. So die eben berührte Forderung der Haubitz-Batterien, die Formierung von Regimentern für die Corps, die möglichste Selbständigkeit der Batterien. In letzterer Hinsicht gieng man damals so weit, dass man den Regimentsverband ganz lösen und die einzelnen Batterien völlig selbständig machen wollte. Man unterliess dies aber aus disciplinären und administrativen Gründen, mitRücksicht auf die gleichmässige Ausbildung, die nur grössereKörper gewährleisten, ferner in Anbetracht der Schwierigkeiten, bei dem Ausgleich von Mann und Material und hei der Einziehung der Recruten und Reserve- Mannschaft. Die nun rasch aufeinander folgenden Organisations-Aenderungen tragen den 1850 aufgestellten Forderungen mehr und mehr Rechnung. Schon jene von 1854 beseitigt den Hauptfehler der Organisation von 1851, die allzu­grossen Stände der Regimenter und deren nicht organische Einfügung in die Corps. Die bisher normierte Stärke der Regimenter bis zu 6000 Mann mit 3600—3500 Pferden und die damit nothwendig verbundene zerstreute Dis­location der Batterien machte die Administration schon im Frieden sehr schwer, im Kriege aber unmöglich1). Die Batterien, im Kriege auch die Compagnien, standen unter dem Feld-Artillerie-Chef des Corps, der jedoch nicht Regi ments-Commandant war. Der Wert der Batterien hieng in jeder Hinsicht von dem Stabsofficier ab, dem sie untergeordnet waren. Der Oberst hesass auf diese und die bei den Armee- Corps eingetheilten Reserve-Formationen keinen bestimmenden Einfluss, von der Führung und dem Commando über dieselben war er so gut wie aus­geschlossen und trat mit ihnen nur bezüglich der ökonomischen Verwaltung und der Gerichtsbarkeit in Contact. Er war sonach über deren Zustand nicht informiert, konnte mit seinem Wissen und seiner Erfahrung nicht auf sie einwirken. Die Offleiere waren ihm meist nur aus den Conduite-Beschreibungen bekannt. So völlig von dem Zusammenhänge mit der Truppe losgelöst, stand er, wenn er avancierte, wieder mitten in demselben. Nun, wo ihm der Dienst hei den Batterien fremd geworden, wurde dieser wieder seine Sphäre. Ein solches Verhältnis gestaltete sich ganz anders, wenn die Zahl der Regimenter mit jener der Corps übereinstimmte. Dann waren die Batterien jedes Regiments im Felde beim Corps vereint, der Regiments-Commandant konnte sie als Artillerie-Chef des Corps befehligen. Ausser der Umformung der Feld-Artillerie musste bei der geplanten Neuorganisation aber auch die' bisherige Theilung in Festungs- und Feld- Artillerie erwogen werden; man entschloss sich dieselbe fallen zu lassen. Massgebend war das Beispiel der anderen Staaten, welche neben der Feld- Artillerie nur eine Küsten-Artillerie hatten (die nun auch gefordert wurde), sowie der Umstand, dass trotz der aufgestellten Festungs-Bataillone, im Kriegs- *) *) K. A., Memoiren, XIII, 263. 6*

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