Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Organisation und Entwicklung der Festungs-Artillerie 1850-1854, 1867-1903 - I. Festungs-Artillerie 1850-1854
I. Festungs-Artillerie 1850—1854. Die Kämpfe in Ungarn und Italien nöthigten die kaiserliche Armee zur Dotierung vieler Festungen mit zahlreichem Artillerie-Personal. Die vorhandene Garnisons-Artillerie, welche in erster Linie berufen war, die in festen Plätzen befindlichen Stücke zu bedienen, reichte nicht aus und die Mannschaft der Artillerie-Regimenter genügte kaum zur Bedienung der Feld- Geschütze. Die Kriegs-Verwaltung sab sich daher genöthigt, im Laufe der Kämpfe 57 neue Artillerie-Compagnien zu errichten und musste deshalb sogar zur Aufstellung von (26) Landwehr-Compagnien greifen. Die Erfahrungen des Krieges ergaben die Nothwendigkeit, die Artillerie überhaupt zu vermehren und schon im Frieden für ein genügend zahlreiches Artillerie-Personal in den Festungen zu scrgen. Eine Vermehrung der Artillerie-Mannschaft bei der Garnisons-Artillerie war von vorhinein ausgeschlossen, indem die Auflösung der Districte durch die nöthig gewordene Trennung der Geschütz-Bedienung von der technischen Artillerie bedingt war. Erwägt man, dass die Bedienung der Festungs-Geschütze eine wesentlich andere Ausbildung erfordert, als jene der Feld-Geschütze, demnach auch eine bedeutend vermehrte Feld-Artillerie für erstere nicht die volle Eignung besitzen konnte, so schien die Aufstellung eigener Compagnien, respective Bataillone, also sogenannter Festungs-Artillerie-Bataillone, als die beste Lösung der Frage. Die Aufstellungsorte waren durch die Zahl und Lage der Festungen und die Forderungen einer eventuellen Küsten-Vertheidigung gegeben; eines musste für die Bundes-Festungen errichtet werden. Demgemäss wurden 8 Bataillone aufgestellt. Das 1. in Prag (seit 1853 in Olmütz), das 2. in Wien, das 3. in Pest, das 4. in Verona, das 5. in Venedig, das 6. in Triest, das 7. in Zara, das 8. in Mainz. Nur das 2. Bataillon, welches nach Wien kam, wurde direct aus dem 1848 errichteten selbständigen Landwehr-Bataillon, die übrigen aus den Feld- Regimentern, den verschiedenen bisherigen Garnisons-Artillerie-Districten, dem Bombardier-Corps, dann den noch bestehenden Festungs-Compagnien der Gai’nisons-Districte gebildet. Dieselben erhielten ihre Completierung von der Infanterie. Das 8. Bataillon erscheint anfangs nur mit 4 Compagnien aufgestellt, die anderen später errichteten erhielten 6 Compagnien, oder wie das 1. und 2. Bataillon deren 5. Mit April 1854 hatten alle 6 Compagnien. Jedes Bataillon gliederte sich in den Stab, die Urlauber-Evidenzhaltung und die Compagnien. Stab: 1 Stabsofficier als Commandant des Bataillons '), dann alternierend 1 Bataillons-Rechnungsführer (später Official) in der Gebühr eines Regiments-Rechnungsführers. Dieser besorgte auch die Rechnungsgeschäfte * 5 F Von den 8 Bataillons-Commandanten waren 1 Oberst, 2 Oberstlientenants und 5 Majore systemisiert.