Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Major Semek: Die Artillerie im Jahre 1809

Die Artillerie im Jahre 1809. 79 man die sonst bei der Armee befindlichen Reserveanstalten, nämlich die Haupt- und schwere Reserve, ganz an die Korps ver­teilen solle, oder bloß teilweise, um dann den Rest dem Armee­kommandanten zu unterstellen. Man entschied sich für ersteres. Jedes Korps erhielt also seine Hauptreserve und schwere Reserve; der Armeeleitung stand keine Reserve zur Verfügung. Kur wenn der Munitionsverbrauch der Korps wesentlich verschieden war, trat das Armeekommando ein und verfügte,. falls die Entfernung der Korpsreserven voneinander dies ge­stattete, einen Ausgleich bezüglich der Munitionsvorräte. Verschiedene Bücher und Schriften stellen die Anordnung der Reserveanstalten des Jahres 1809 in ganz anderer Weise dar1). Auf welcher Basis, ist leider nicht ersichtlich. Nach den vorhandenen Akten ist es unbestreitbar, daß für den Beginn des Feldzuges die obige Einteilung der Reserve Geltung hatte. Dafür spricht auch die deutliche Weisung Oolloredos an den Erzherzog Maximilian, welcher anfangs als Feld­artilleriedirektor der Hauptarmee fungierte2), ferner der Um­stand, daß die Ausrüstungsentwürfe übereinstimmend mit der obigen Teilung verfaßt wurden und endlich, daß die vom Beginne des Feldzuges (bis Juli) vorhandenen Ausweise über den Stand und die Einteilung der Artillerie beim 7., 8., 9. Korps, welche dem Generalartilleriedirektor eingesendet wurden,, eben nur diese Einteilung anführen. Auch späterhin kennzeichnet Colloredo3) wiederholt diese Gliederung als seinem Standpunkte entsprechend, indem er eine Abweichung davon entweder einstellt oder wo die Verhältnisse bereits den Sieg über seine Ansicht davon­getragen, wenigstens bemängelt. ') In den Akten des Jahres 1809 ist allerdings ein Schriftstück vorhanden, auf welchem bemerkt ist, daß es die Hauptdisposition des Erzherzogs Karl enthalte. Dasselbe zeigt die in manche Bücher auf­genommene Einteilung der Artilleriereserve für das Jahr 1809. Dieses Schriftstück ist aber wohl nur deshalb den Akten des Jahres beigelegt, um mit Rücksicht auf seinen Inhalt zu bekunden, welche Ideen über die Einteilung der Artillerie das Jahr 1809 im Geiste des Generalissimus wach­gerufen. Aus dem genannten Jahre kann es nicht sein, da es neben der Verwendung der Rohrgeschütze auch jene der Raketengeschütze bespricht. 2) K. A., H. K. R. 1809, K. 12, 46/16. s) Generalartilleriedirektor, 1809 auch Kriegsminister.

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