Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)
Eine Denkschrift des FM. Max Freiherrn von Wimpffen aus dem Jahre 1809
Eine Denkschrift aus dem Jahre 1809. 47 3. Befindet sich in dem gegenwärtigen Augenblicke der Geist dieser vortrefflichen Armee, durch die erlittenen Unglücksfälle, durch die Resignierung eines so lange gewohnten, mit so grófién Vollmachten versehenen Feldherrn, der für das Wohl der Armee so viel tat, unter dem sie manche Siege erfocht und der mit ihr alle Beschwerden und Gefahren auf die glänzendste Art teilte, auf eine Art niedergebeugt, daß dessen Wiederemporbringung nur durch Anwendung großer Begeisterung der Mittel erreicht werden kann. Nicht erst bei Aufkündigung des Waffenstillstandes, schon jetzt müßte die Bearbeitung des Geistes der Armee den Anfang nehmen, man müßte viel zu ihr sprechen, sie ihren Wert fühlen machen, ganz neue Aussichten auf große Belohnungen und Bestrafungen eröffnen, die Bemühungen zur Erreichung eines ehrenvollen Friedens zeigen und in sie die Überzeugung pflanzen, daß, wenn er nicht zustande käme, nur ein Sieg uns dahin würde führen können. An die Spitze der Korps wären durch ihren besonderen Mut bekannte energische Männer zu stellen, von denen der wahre militärische Geist mitteilungsweise wie ein elektrischer Funke ausgehen könnte. 4. Herrscht im allgemeinen eine außerordentliche Untätigkeit, die in dem größten Kontraste mit der Tätigkeit unserer Gegner steht. Man glaubt sich nur verantwortlich für das, was man tut, nicht für das, was man unterläßt. Ein Gesetz, welches jeden einer scharfen Ahndung unterzöge, der in was immer für einer Gelegenheit noch mehr zum Besten des Allerhöchsten Dienstes hätte leisten können, wäre unumgänglich erforderlich; während unsere Gegner in wenigen Wochen Festungen, Brückenköpfe und verschanzte Lager beinahe auf jedem günstigen Punkt ihrer Operationslinie in Verteidigungsstand setzen, haben wir das seit einem Jahre in der Herstellung begriffene Komorn nicht einmal soweit gebracht, die Brücken über die Donau und Waag gegen das feindliche Feuer zu sichern, welches bei einem Platze, der als Manövrierpunkt auf beiden Ufern dienen soll, doch die Hauptsache ist. Wir besitzen weder an der Waag, noch an der Donau, noch an der Mur, Drau oder Theiß ein einziges tété de pont;