Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Peters: Die Disposition des Obersten und Generalstabschefs Mack zum Angriff auf das französische Lager von Famars am 23. Mai 1793

18 Peters. Ganz anders als heute, wo die meisten Entschlüsse im Felde nicht nur eine operative Bedeutung haben, sondern auch in administrativer Hinsicht vielfach nachwirken, wo zum Beispiel die Disponierung der Verpüegsanstalten, Trains, des Krankenabschubes sich an den operativen Teil des Befehles logisch angliedern müssen, wo endlich das Post-, Telegraphen- und Eisenbahnwesen im Dienste der Armee stehen, konnte und mußte eine „Armee-Disposition” früherer Zeiten beschaffen sein. Heute ist, wie schon ein Blick auf die Zusammensetzung eines Armee- oder Korpskommandos zeigt, die weitest­gehende Arbeitsteilung, die viel schärfere Abgrenzung der einzelnen Wirkungskreise zum Gesetz geworden, das aber doch nur dem Zwecke einheitlichen Zusammenwirkens gehorcht. In der vornapoleonischen Kriegführung, in der Zeit, da die Armeen noch klein waren — 40.000 bis 50.000 Mann — konnte der Befehlshaber mit den wenigen Organen seines Stabes alle Agenden leichter übersehen und ordnen, eine Arbeitsteilung im modernen Sinne war entbehrlich, ja, es erschien sogar oft nötig, einzelne Details, deren Anordnung nach heutigen Begriffen in der Kegel Sache der Unter­kommandanten sein müßte, wie: Einteilung und Reihen­folge der Truppenkörper in den Kolonnen, Bestimmung von Nebenkolonnen zur Sicherung, Verbindung etc., in die Armee­disposition aufzunehmen. Diese oft wiederkehrende Erscheinung, die uns heute als bevormundendes und verpöntes Eingreifen in das Befehl- gebungsrecht des Unterführers erscheinen muß, hatte zu jener Zeit wohl auch noch andere Gründe als die Kleinheit und daher Uberblickbarkeit der Armeen. Seit Friedrich II. wurde es als Ideal der Kriegführung angesehen, daß die Leitung auch der größten Heeresmassen in einer Hand vereinigt sein müsse. Sowohl die damalige Ordre de bataille, die treffen- oder flügelweise Dreilinien- Formation, in welcher die Infanterie, auch bei länger dauern­den Lagerstellungen, in entwickelter Linie in der Mitte, die Kavallerie an den Flügeln stand, als auch die durch das Festhalten an dieser starren Form in Strategie und Taktik

Next

/
Oldalképek
Tartalom