Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

80 Zum Aufgebot, welches damals noch vorwiegend aus Beiterei bestand, wurde jeder vierte oder fünfte Maim ausgeh oben, für dessen Ausrüstung die zurückbleibenden zu sorgen hatten. Für je 10 Mann war ein "Wagen zum Mitführen der Lebensmittel auf 12 "Wochen, dann des erforderlichen Schanzzeuges beizustellen. Diese 10 Mann und die Wagen standen unter einem Hauptmann, je 100 Mann unter einem höheren Offleier, je 1000 Mann unter einem Oberbefehlshaber *). Jeder der Fürsten, die persönlich ins Feld zu ziehen verpflichtet waren, sollte mit seinen Städten, 2 oder 3 Steinbüchsen2) mit Pulver und Steinen, dann soviel „Haufenitzen und Pfeifen” (Aufiege-Geschütze und Hand-Feuer­waffen) als er imstande war aufzubringen, beistellen. Im Jahre 1429 hatte König Sigismund sich verpflichtet, in Person den Oberbefehl über das schlesische Aufgebot zu übernehmen. Nach der Vereinigung der Länder der böhmischen Krone mit dem Hause Habsburg wurde anlässlich der Türkengefahr 1529 eine Defensions- Ordnung verfasst, nach welcher das Gebiet in vier Kreise getheilt wurde, deren jeder unter einem Hauptmann stand. Der erste derselben umfasste Nieder-Schlesien mit den Fürstenthümern Glogau, Sagan, Liegnitz und Jauer unter dem Herzoge Friedrich von Liegnitz; der zweite Mittel-Schlesien, mit den Fürstenthümern Breslau, Wohlau, Oels und Brieg, dann einigen kleineren Standes-Herrschaften unter dem Breslauer Hauptmann Haunold; der dritte Kreis umfasste das Bis­thum Neisse, die Fürstenthümer Münsterberg und Schweidnitz unter Führung des Bischofs von Heisse, endlich der vierte Kreis ganz Ober-Schlesien unter dem Herzoge von Oppeln. Jeder Hauptmann hatte zwei Kriegsräthe zur Seite, einen aus dem Adel und einen aus den Städten seines Kreises. Der Ober-Landeshauptmann (Feld-Hauptmann) bestimmte die Höhe des jeweiligen Aufgebotes und konnte von den angesessenen Grundbesitzern jeden zwanzigsten, zehnten oder selbst fünften Mann ausheben lassen. Jedes Landgut, das auf 3000 Gulden geschätzt war, hatte einen ge­rüsteten Beiter zu stellen. Das ganze gesammelte Aufgebot sollte unter einem gemeinsamen Banner mit dem Landeswappen in das Feld ziehen s). Im 30jährigen Kriege hatte sich 1619 das Aufgebot der Schlesier *) unter dem Markgrafen Johann Georg von Jägerndorf mit den Empörern in Böhmen vereint und kämpfte mit denselben gegen die kaiser­lichen Truppen. In den späteren Jahren war das Land wiederholt einer der Haupt- Schauplätze dieses Krieges, wurde von Freund und Feind verheert, die waffenfähigen Bewohner theils durch Werbung, theils oft mit Zwang als Becruten den verschiedenen Heeren einverleibt, so dass selbstverständlich von einem Aufgebote keine Bede sein konnte. Als die Türken 1663 in Mähren eingefallen waren und, begünstigt durch die Flucht des dortigen Landvolkes, immer tiefer in das Land eindrangen, zeichnete sich das schlesische Aufgebot unter dem Herzoge Georg von Liegnitz-Brieg durch seine feste Haltung bei Vertheidigung des Jablunka- Passes aus und wurde hiedurch das Land vor Verheerung bewahrt6). Auch die Grafschaft Glatz, welche jedoch Böhmen directe unterstand, hatte von je 10 Angesessenen einen Mann mit Ober- und Untergewehr zur Bewachung der Pässe sowohl gegen Mähren als gegen Schlesien auf- geboten. x) Grünhagen, „Die Hussitenkämpfe der Schlesier”, Seite 114 und 176.-j Eine Gattung schwerer Geschütze. 3) Grün ha gen. „Geschichte Schlesiens”. II. Band, Seite 45. 4) Dieses Aufgebot bestand jedoch zum grösseren Theile, wie das böhmische, aus geworbenen Trappen. 6) Aus den geworbenen 1500 Aufgebots-Reitern wurde das heutige Dragoner-Regi­ment Nr. 7 formiert.

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